Kopfansicht der Falkenstatue des Chephren

 
 

 

 

 

 

Die drei berühmten Pharaonen der 4. Dynastie

 

Erläuterungen (Hieroglyphen):

CHUFU = grch. CHEOPS
1. Plazenta ? (CH; "ch" wie in "Buch"); 2. Wachtelküken (W = U); 3. Hornviper (F); 4. wie 2.

CHAEFRE = grch. CHEPHREN
1. Sonnensymbol (RA, RE); 2. Hügel mit aufgehender Sonne (CHA; "ch" wie in "Buch"); 3. Hornviper (F; "ef"). Der Gott Ra wird - wie alle Götternamen - aus Respekt vorangestellt.

MENKAURE = grch. MYKERINOS
1. Sonnensymbol (RA, RE); 2. Brettspiel (MN; "men"); 3.-5. dreimal ein Paar erhobener Arme (KA; hier: Plural = KAU). Ra wird wieder vorangestellt. Wird der Sonnengott in einem Namen als erste Silbe gesprochen, lautet diese "Ra" (wie bei Ramessu = Ramses), als letzte: "Re" (wie bei Menkaure; man könnte auch "Ramenkau" lesen).


 

CHEOPS:

Bedeutung des Namens: "Chnum (äg. Chenemu) schützt mich" ("Chufu" ist die Abkürzung von "Chenemu-chufu").

Cheops, Sohn des Snofru, des 1. Königs der 4. Dynastie, wird als der (wahrscheinliche) Erbauer der ersten und größten der 3 Pyramiden von Gizeh angesehen. Die Pyramide soll - im Gegensatz zu den anderen Pyramiden - von außen nach innen gebaut worden sein. 1954 wird an der Südseite der Pyramide eine in Einzelteile zerlegte Sonnenbarke (aus Zedernholz) für Cheops entdeckt, die den Pharao ins Jenseits geleiten sollte. Die Große Pyramide wird als "Achet-Chufu" bezeichnet, d.h. "Horizont des Cheops", der Ort, an dem der König auferstehen würde.

Die ägyptische Tradition sieht in Cheops einen weisen König, während Herodot (5.Jh.v.Chr.) die Geschichten eines einheimischen Fremdenführers kolportiert, wonach dieser Pharao ein Tyrann gewesen sei.

An der Spitze der straff organisierten Verwaltung steht ein "Wesir" (äg. "tjati"); dieser ist der oberste Regierungsbeamte, und als "Erster Untertan" des Königs hat er nach diesem höchste Autorität. Die Schlüsselpositionen in Verwaltung und Priesterhierarchie werden von Angehörigen des Königshauses besetzt.
Eine 7,5 cm hohe Elfenbeinstatuette ist das einzige überlieferte Abbild des Königs.

Elfenbeinstatuette des Cheops
(Ägyptisches Museum Kairo)

CHEPHREN:

Bedeutung des Namens: "Er erscheint (nämlich) Re".
Chephren, Sohn des Cheops, ist der Nachfolger seines Bruders Djedefre.

Die Pyramide des (angeblichen Erbauers) Chephren ist etwas kleiner als die des Cheops; sie ist ursprünglich mit Kalkstein verkleidet, also leuchtend weiß.

Der Geburtsname des Königs (Chaefre) weist auf die enge Verbindung Pharao/Sonnengott hin.
Die berühmte Falkenstatue des Chephren stellt diesen sitzend dar, beschützt vom Horus-Falken.

Falkenstatue des Chephren
(Ägyptisches Museum Kairo)

MYKERINOS:

Bedeutung des Namens: "Die Macht des Re (Ra) ist beständig" oder "Mit bleibenden Ka-Kräften, ein Re".
Mykerinos, Sohn des Chephren, ist der (angebliche) Erbauer der dritten und kleinsten der 3 Pyramiden von Gizeh.

Berühmt sind die "Mykerinos-Triaden", Statuengruppen, die den Pharao zwischen zwei Göttinnen zeigen; z.B. der Göttin Hathor, der "Herrin der Sykomore", und einer Gaugöttin.

Mykerinos-Triade
(Äg. Mus. Kairo)

Eine der berühmten "Mykerinos-Triaden": Mykerinos wird zu seiner Rechten von der Göttin Hathor flankiert, zu seiner Linken von der Gaugöttin des 7. oä. Gaues, die die Personifikation der Fruchtbarkeit des Bodens darstellt und damit den Reichtum des Landes und die Macht des Königs garantiert.

 
 

 

 

 

Die Titulatur der Pharaonen

 
 


 




1. Horus-Name:
In dem oberen Teil eines sog. Serech (stilisierte Palastfassade; s. Abb.) steht der Horus-Name des Pharaos. Der untere Teil repräsentiert die Palastfassade. Oberhalb des Serechs befindet sich der Horusfalke mit den entsprechenden königlichen Attributen (Verbindung Pharao/Horus).
Statt des Horus-Falken kann auch das (mythische) Seth-Tier oberhalb des Serechs erscheinen, wie z.B. bei Peribsen (Seth-Name), einem König der 2. Dynastie, während sein Horus-Name "Sechemib" lautet (man vermutet, daß es sich um ein und denselben König handelt). Ein anderer König derselben Dynastie führt sowohl den Horus-Falken als auch das Seth-Tier auf dem Serech; sein Horus-Seth-Name lautet "Chasechemui" ("das Erscheinen der beiden Mächte").
Die Dualität ist ein Prinzip im ägyptischen Denken: Horus/Seth; die "Beiden Länder" (OÄ + UÄ); die "Beiden Herrinnen" etc.

Serechs des Sechemib = Peribsen
(Horus- und Seth-Name des Königs)

Erläuterungen (Hieroglyphen):
Horus-Name: 1. gefaltetes Tuch (stimmloses S; Konsonanten-Wiederholung zu 2); 2. "Sechem"-Zepter (SCHM, "sechem"; "ch" wie in "Buch"); 3. Herz (IB). Zu lesen: SECHEM-IB.
Seth-Name: 1. Haus (PR, "per"); 2. Herz (IB); 3. gefaltetes Tuch (stimmloses S); 4. Wasserlinie (N, "en"). Zu lesen: PER-IB-SEN.

 

Serech des Chasechemui
(Horus-Seth-Name)

Erläuterungen (Hieroglyphen):
1. Sonnenaufgang über Hügel (CHA; "ch" wie in "Buch"); 2.+3. zweimal "Sechem"-Zepter (SCHM, "sechem"; "ch" wie in "Buch"; Plural: "sechemu", Dual = Zweizahl: "sechemui"). Zu lesen: CHA-SECHEM-UI.

Der einzige Sonderfall liegt beim Serech von König Aha (Hor-Aha; 1.Dyn.) vor: Hier greift der Horusfalke durch das Dach des Serech hindurch und hält die Hieroglyphen in seinen Fängen. Die beiden Hieroglyphen "Keule" und "Schild" bedeuten zusammen "kämpfen". Daher hat dieser König den Namen "der Kämpfende" (oder auch "kämpfender Falke").

Serech des Hor-Aha
(Horus-Name)

Erläuterungen (Hieroglyphen):
1. Keule (T3 der Zeichenliste); 2. "Schild" (T36 der Zeichenliste, "etwas modifiziert"); beide Zeichen zusammen bedeuten "kämpfen, Kämpfer" = äg. "aha" (s. Hannig-Lexikon). Zu lesen: AHA

 

2. Nebti-Name:
Das ist der Name des Pharaos in Verbindung mit den "Beiden Herrinnen" (s. Abb.), nämlich der Geiergöttin Nechbet (OÄ) und der Kobragöttin Wadjet (UÄ).
Die "Beiden Herrinnen" zeigen ebenfalls den Doppelcharakter (Dualität) des Königtums auf.
[Anm.: "neb(e)ti" ist der Dual zu "nebet" = "Herrin"]

3. Goldhorus-Name:
Diesem Namen ist ein Falke vorangestellt, der auf dem Zeichen für "Gold" sitzt (daher die Bezeichnung "Goldhorus"; s. Abb.).
Gold wird als "Fleisch der Götter" bezeichnet. In Verbindung mit dem Falken (Symbol des Königs) unterstreicht das Gold die Göttlichkeit des Königtums.

Goldhorus (dieses herrliche Schmuckstück
stammt von einem Pektoral aus dem MR)
(Quelle: http://www.ancient-egypt.org/language/titulary/index.html#Golden_Name)

 

4. Thronname:
Diesem Namen werden 2 Embleme vorangestellt, nämlich die Binse (Symbol für OÄ) und die Biene (Symbol für UÄ). Die beiden Zeichen zusammen werden "Nesu-bit" ("Nisut-biti") gelesen und bedeuten: "König von Ober- und Unterägypten" (wörtlich: "der zur Binse und Biene Gehörige"). Der Thronname wird von einer Kartusche umrahmt (s. Abb.).
Auch die Embleme "Binse + Biene" betonen die Dualität des Reiches.
Bei der Inthronisation nimmt der König einen "Thronnamen" an, der häufig ein politisches oder religiöses "Programm" zum Inhalt hat. In offiziellen Texten, Inschriften und in der Korrespondenz mit Herrschern fremder Länder wird dieser Name verwendet.

5. Eigenname (Geburtsname):
Diesem Namen wird der Titel "Sohn des Ra (Re)" (ägypt. "Sa-Re") vorangestellt. Auch der Eigenname wird in einer Kartusche geschrieben (s. Abb.).
Der Titel "Sohn des Re" wird von Djedefre (4. Dynastie) eingeführt; er unterstreicht die göttliche Herkunft des Herrschers. Mit dem Thron- und Eigennamen ist jeder Pharao eindeutig zu identifizieren und von anderen Pharaonen zu unterscheiden.

 

Der Titel "Pharao" (aus ägypt. "per-aa" = "Großes Haus") wird erst im Neuen Reich auch auf den Herrscher selbst bezogen (und nicht nur auf seinen Palast). Ab der 19. Dyn. wird "Pharao" im Sinne von "Seine Majestät" gebraucht; ab der 22. Dyn. wird "Pharao" vor den Namen des Königs gesetzt.

Zu "Nesu-bit" s.o. unter "Thronname".

In offiziellen Dokumenten, als Anrede an den Herrscher und in Ansprachen des Königs selbst wird der Titel "Hem" benutzt, mangels genauerer Kenntnis wohl mit "Majestät" zu übersetzen. Mit "Hem" wird auch ein Sklave (Diener) bezeichnet, unterschieden nur durch das entsprechende Determinativ! Der König bezeichnet sich also als "(ersten) Diener (des Staates)" (wie Friedrich II. d.Gr.)!

 

 

Epitheta

 

Die Pharaonen schmücken sich gerne mit Beinamen (Epitheta), die ihre Beliebtheit bei Göttern zum Ausdruck bringen ("geliebt von Gott X", "auserwählt von Gott Y", "beständig wie Gott Z" etc.); andere Kategorien von Beinamen beziehen sich auf das "ewige Leben" des Pharaos oder auf seine Kraft und Stärke ("groß an Kraft", "starker Stier" und dergl. mehr). Götternamen werden respektvollerweise vorangestellt. Nachfolgend einige Beispiele:


Erläuterungen (Hieroglyphen):

(1a) I: Kanal (MR; Abk. für MRI, "meri") / II: 1. Hacke (MR, "mer"); 2.+3. zweimal Schilfblatt (langes I) / III: Hacke (MR; Abk. für MRI, "meri") / IV: 1. Hacke (MR, "mer"); 2. Mund (R; Konsonanten-Wiederholung zu 1); 3.+4. zweimal Schilfblatt (langes I). Zu lesen (erste bis vierte Variante jeweils): MERI ("geliebt")

(1b) 1. Schilfblatt (I); 2. Brettspiel (MN, "men"); 3. Wasserlinie (N; Konsonanten-Wiederholung zu 2); 1.-3. Imen = Amun; 4.-7. "meri" (s. 1a IV).
Zu lesen: MERIAMUN

(2a) Krummaxt (Dachsbeil) über Holzblock (STP; "setep"). Zu lesen: SETEP

(2b) 1. Sonnenscheibe (Symbol für RE; natürlich vorangestellt); 2. s. (2a); 3. Wasserlinie (N, "en").
Zu lesen: SETEPENRE

(3) 1. Hocker (P); 2. Brotlaib (T); 3. gedrehter Docht (emphat. H); 1.-3. Gott Ptah (vorangestellt); 4.-6. "meri" (s. 1a II); 7. Wasserlinie (N, "en").
Zu lesen: MERIENPTAH

(4) 1. Lebensschleife (ANCH); 2. Kobra (DJ); 3. Brotlaib (T); 2.+3.: DJT, "djet" ("dschet") = ewig; 4. Determinativ für Land, Besitz; hier: Ewigkeit.
Zu lesen: ANCH-DJET ("er möge ewig leben", "ewig lebend"); pharaonisches Epitheton.

Anm.: Eine dt. Keksfabrik benutzt die Hieroglyphen 2 - 4 als Warenzeichen, bei dem zwei Fehler enthalten sind: (1) Die Hieroglyphen sind von einer Kartusche umrahmt; eine Kartusche ist dem König vorbehalten. Der "Knoten" der Kartusche befindet sich auf der falschen Seite; da die Kobra nach links blickt, muß von links nach rechts gelesen werden; folglich gehört der Knoten auf die rechte Seite, also ans "Ende" der Kartusche. (2) Die Transkription (Umschrift) lautet "DJET" = "ewig, Ewigkeit" (s.o.), und nicht "TET".

(5) 1. Spitzbrot (DI; "di" = geben, schenken); 2. Lebensschleife (ANCH).
Zu lesen: DI-ANCH ("beschenkt mit Leben"); pharaonisches Epitheton.

(6) 1. ein Paar erhobener Arme (KA); 2. Phallus (Determinativ für "männlich"); 3. Stier (Determinativ); 1.-3.: "ka" = Stier; 4. Wasserlinie (N); 5. Zweig (CHT, "chet"; "ch" wie in "Buch"); 6. Plazenta? (CH; "ch" wie in "Buch"); 7. Brotlaib (T); 6.+7.: Konsonanten-Wiederholungen zu 5.; 8. Mann, mit Stock schlagend (Determinativ für "Stärke"); 4.-7.: NCHT, "nechet" = stark.
Zu lesen: KA-NECHET ("Ka-nacht"; "starker Stier"); pharaonisches Epitheton.

 

Der Beiname eines Pharaos steht häufig mit dem Herrschernamen zusammen in seiner Namenskartusche (wie z.B. "Hatschepsut, die mit Amun vereinigt ist"). Götternamen werden natürlich wie immer vorangestellt. Nachfolgend einige Beispiele:

Erläuterungen (Hieroglyphen):

(1) 1. Schilfblatt (I); 2. Brettspiel (MN; "men"); 3. Wasserlinie (N; Konsonanten-Wiederholung zu 2); 1.-3. Imen = Amun; 4. Henkelkrug (CHNM, "chenem"; "ch" wie in "ich"); 5. Brotlaib (T); 6. Löwen-Vorderteil (HAT); 7. (Konsonanten-Wiederholung zu 6) wie 5.; 8. Ideogramm für "vornehme Person" + 3 Pluralstriche (SCHPSI; Plural: SCHPSU, "schep(e)su"); 9. Brotlaib (T; weibliches Endungs-T).
Zu lesen: HATSCHEPSUT-CHEN(E)MET-AMUN ("Hatschepsut, die mit Amun vereinigt ist"). Diese Pharaonin gibt sich recht männlich: sie nennt sich "Sohn des Re" und trägt bei bestimmten Anlässen einen Zeremonialbart.

(2) 1.-3. Imen = Amun, s. (1); 4. Brotlaib (T); 5. Wachtelküken (U); 6. wie 4.; 7. Henkelkreuz (ANCH; "ch" wie in "Buch"); 8. Hirtenstab (HKA; gutturales K, Q; "heka" = Herrscher); 9. Pfeiler (JUN; Symbol für Heliopolis = JUNU); 10. blühende Binse (SCHMA, "schema"; Symbol für Oberägypten).
Zu lesen: TUTANCHAMUN-HEKA-JUNU-SCHEMA ("Tutanchamun, Herrscher von Heliopolis und [Ober-]Ägypten").

(3) 1.-3. Imen = Amun, s. (1); 4. Kanal (MR; Abk. für MRI, "meri"); 5. Sonne, Sonnengott (RA); 6. drei zusammengebundene Fuchsfelle (MS; "mes"); 7. gefaltetes Tuch (stimmloses S; Konsonanten-Wiederholung zu 6); 8. Binse, Riedgras (SU; S: Konsonanten-Wiederholung zu 6 bzw. 7).
Zu lesen : RAMSES-MERI-AMUN ("Ramessu = Ramses, geliebt von Amun").

(4) Kachel aus dem Palast Ramses´II. (19. Dyn.) bei Qantir
(aus blauer Fayence; Kartusche und Hieroglyphen in Alabaster eingelegt): in der
Kartusche steht der Thron- und Beiname dieses Pharaos (User-Maat-Re Setep-en-Re).
Aus "Usermaatre" machten die Griechen "Osymandias".
(Quelle: http://www.meritneith.de)

(4) 1. Sonnenscheibe (Ideogramm für den Sonnengott RA oder RE); 2. Kopf + Hals eines Caniden (Schakals) (WSR; "weser", "user" = "stark sein"); 3. Ideogramm für die Göttin MAAT (mit Anch-Zeichen); "Maat" = Recht, Gerechtigkeit, Ordnung; 1.-3.: User-Maat-Re (Name des Gottes in der Kartusche vorangestellt) ist der Thronname.
4. Sonnenscheibe s. 1.; 5. Krummaxt über Holzblock (STP; "setep" = "auserwählt"; s.o. "Epitheta"); 6. Wasserlinie (N; "en" = "von"); 4.-6.: Setep-en-Re (Re wieder - wie oben - vorangestellt) ist der Beiname.
Qantir (Kantir) = äg. Pi-Ramesse (s. "Hauptstädte" Nr. 8)
Zu lesen : USER-MAAT-RE SETEP-EN-RE ("Stark ist die Gerechtigkeit des Re, auserwählt von Re")

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