Königliche Familie

 

 

Altartafel der kgl. Familie: Echnaton, Nofretete und 3 Töchter
(18. Dyn., ca. 1350) (Ägyptisches Museum Berlin)

Amenhotep IV. (grch. Amenophis; "Amun ist zufrieden"; 1353-1336), der Sohn des Amenhotep III. und der Teje, die nichtköniglicher Abstammung ist, wird vor seiner Thronbesteigung mit Nofretete verheiratet, wahrscheinlich einer Tochter des hohen Beamten Eje (Aja), des späteren Pharao.
Amenhoteps IV. Thronname lautet: "Nefer-cheperu-Re, Wa-en-Re" ("Mit vollkommenen Gestalten, ein Re; Einziger des Re"); sein Beiname: "der von der Maat lebt".

 

Erläuterungen (Hieroglyphen):

Echnaton: 1. Schilfblatt (I); 2. Brotlaib (T); 3. Wasserlinie (N); 1.-3.: ITN, "iten"; Iten = Aton (der Name des Gottes Aton natürlich vorangestellt); 4. Sonnenscheibe (Determinativ für Aton); 5. Schopfibis (ACH; "ch" wie in "Buch"); 6. Plazenta ? (CH; "ch" wie in "Buch"; Konsonanten-Wiederholung zu 5); 7. wie 3.; 5.-7.: ACHN, "ach-en" = "nutzbringend für".
Zu lesen: ECH-N-ATON (eigentlich: ACH-EN-ITEN; angels. AKH-EN-ATEN; "nutzbringend für den Aton")

Nofretete: 1.-4. wie oben; 5. Herz + Luftröhre (NFR, "nefer" = "schön, vollkommen"); 6.-8.: dreimal wie 5: Plural von "nefer", also NEFERU; "nefer-neferu" = "der Vollkommene der Vollkommenen" ("der Vollkommenste"); 9. wie 5.; 10. wie 2.; 9.+10.: NFRT, "neferet" = "die Schöne"; 11. zwei Schrägstriche (langes I); 12. Pistill (TI); 11.+12.: ITI = "ist gekommen"; 13. Königin mit Diadem + Blume (Determinativ für den Namen einer Königin). "Neferet-iti" = "die Schöne ist gekommen" (Nofretete); "Nefer-nef(e)ru-Aton" = "der Vollkommenste [Schönste] ist Aton" (der neue Name oder Beiname, den Echnaton seiner Nofretete gab).
Zu lesen: NEFER-NEF(E)RU-ATON NOFRETETE (eigentlich: NEFER-NEFERU-ITEN NEFERET-ITI; Nofretete: angels. NEFERTITI; "Aton ist der Vollkommenste [Schönste]; die Schöne ist gekommen")

Thronname: 1. Sonnensymbol (RA, RE; vorangestellt); 2. Herz + Luftröhre (NFR, "nefer"); 3. Skarabäus + 3 (versetzte) Pluralstriche (CHPR; Plural: CHPRU, "cheperu"; "ch" wie in "Buch"); 1.-3.: zu lesen in der Reihenfolge 2-3-1.
4. Sonnensymbol (RA, RE; vorangestellt); 5. Harpune mit 1 Widerhaken ("wa" = "einzig"); 6. Wasserlinie (N, "en"); 4.-6.: zu lesen in der Reihenfolge 5-6-4; insgesamt: NEFER-CHEPERU-RE WA-EN-RE

Beiname: 1. Lebensschleife (ANCH; "ch" wie in "Buch"); 2. unbekannt (M, "em"); 3. Statuenbasis (MAA); 4. Brotlaib (T). Zu lesen: ANCH-EM-MAAT

 

Im 5. Regierungsjahr benennt Amenhotep sich um in "Echnaton" (äg. Ach-en-Aton; "nutzbringend für den Aton"; "der dem Aton nützt"); im 6. wird der Bau der neuen Hauptstadt "Achet-Aton" ("Horizont [Lichtort] des Aton"; heute: Tell el-Amarna) in Angriff genommen, wohin der Hof zwei Jahre später übersiedelt. Echnaton steckt das Areal von Achet-Aton mit 14 Grenzstelen ab.

Grenzstele S (Königsfamilie bei der Anbetung des Aton)
(Quelle: http://kate.stange.com/egypt/stelapic.htm)

 

Die berühmte Büste der Nofretete (Ägypt. Museum Berlin)
(aus der Werkstatt des kgl. Bildhauers Thutmosis; ca. 1340)

Nofretete ist die "Große königliche Gemahlin", die in die Staatsgeschäfte mit einbezogen wird wie auch in das Opferritual für den "neuen" einzigen Gott Ägyptens, den ATON (die Sonnenscheibe), dessen Prophet Echnaton ist (s. auch "Gottheiten 2": Sonnengötter [5]).
Mutnedj(e)met ("die Angenehme der Göttin Mut"), die Gemahlin des Generals Haremhab (Horemheb; vormals wahrscheinlich Paatonemhab genannt; später der letzte Pharao der 18. Dyn.), ist vielleicht eine Schwester Nofretetes.
Kija, möglicherweise eine Prinzessin aus dem vorderasiatischen Reich der Mitanni, ist mehrere Jahre lang die Geliebte des Echnaton neben Nofretete; sie trägt den außergewöhnlichen Titel "Große geliebte Frau des Königs". Mit Nofretete hat Echnaton sechs Töchter, mit Kija eine Tochter (und möglicherweise einen Sohn, nämlich Tutanchamun).
Kija ist bis ins 12. Regierungsjahr Echnatons bezeugt.
Nofretete wird nach dem 13. Jahr seiner Herrschaft nicht mehr erwähnt.
In seinen letzten Regierungsjahren macht Echnaton seine älteste Tochter Meritaton zur Königsgemahlin, die nach ihres Vaters Tod Semenchkare heiratet. Echnaton ist mit ca. 31 Jahren verstorben; die Todesursache ist unbekannt (möglicherweise wurde er vergiftet). Semenchkare stammt wahrscheinlich aus einer Seitenlinie der Königsfamilie; durch die Vermählung mit Meritaton wird er der Nachfolger Echnatons.

Kija (Echnatons Nebenfrau)
(Quelle: http://members.tripod.com/~ib205/kiya.html)

 

Die folgende Abbildung zeigt Nofretete in einer Pose, die normalerweise nur einem Pharao zukommt (wie z.B. beim "rituellen Erschlagen" der Feinde Ägyptens):

Darstellung der kgl. Barke, auf der Nofretete (mit Schurz und charakteristischer Krone)
einen Feind am Schopfe packt und ihn mit der Keule bedroht
(Teilansicht zweier zusammengehöriger Steinblöcke aus Hermopolis; Boston Museum)

 

Echnaton opfert dem Aton eine Ente
(Relief-Fragment; Metropolitan Museum of Art)

 

Säulenfragment mit Relief-Darstellung der Nofretete
(ca. 1350; Griffith Institute)

Auf obiger Abbildung ist Nofretete - im Gegensatz zu ihrer Büste - im "typischen Amarna-Stil" dargestellt (s.o. die Altartafel). Dem - in einer Hand endenden - Strahl des Aton, der den Uraeus ihrer Krone berührt, bringt sie Papyrusblüten dar.

 

Bildhauer-Studie: Echnaton und Nofretete (Amarna-Stil)
(Kalksteinplatte; Brooklyn Museum)

Die obige Relief-Studie diente wahrscheinlich als Übungsstück für den neuen Amarna-Stil. Echnaton trägt das königliche Chat-Kopftuch mit dem Uraeus. Nofretetes Kopf wird von einer eng anliegenden Kappe bedeckt.

 

Die königliche Familie bringt dem Aton Opfergaben dar
(Quelle: http://www.crystalinks.com)

Auf diesem Relief sind die Figuren wieder im "typischen Amarna-Stil" dargestellt. Die Bildnisse Echnatons vereinen maskuline und feminine Merkmale in einer Person (Androgynie), womit Echnaton sich als Verkörperung des Gottes Aton (Schöpfergott) sieht. Androgynie ist für die Ägypter ein Kennzeichen für Fruchtbarkeit (s. auch "Gottheiten 3": [36] Nilgott Hapi). Echnaton (mit der blauen Chepresch-Krone) und Nofretete strecken ihrem Gott Aton, der mit Uraeus dargestellt wird, Papyrusblüten als Opfergaben entgegen. Die Strahlen Atons berühren mit ihren Händen die Opfernden und beleben sie mit dem Anch-Zeichen.

Aton wird bereits von Echnatons Vorgängern Thutmosis IV. und Amenhotep III. verehrt.
Unter Echnaton gilt der Aton als universaler Sonnengott: "Herr der Welt" (s. auch "Gottheiten 2": Sonnengötter [5]).

Im Tempelbezirk von Karnak werden von Echnaton Aton-Heiligtümer errichtet. Im "Gempaaton" genannten Heiligtum stehen die Kolossalstatuen Echnatons. "Gempaaton" bedeutet "der Aton ist gefunden", womit die Offenbarung der Gottheit gemeint ist. Während dieser Periode erhält Nofretete ihren neuen Namen "Neferneferuaton".

Kopf einer Kolossalstatue Echnatons
(Sandstein; Aton-Heiligtum in Karnak)

 

Kolossalstatue Echnatons
(Karnak; ca. 4 m hoch)
(Ägypt. Museum Kairo)

 

Kopf Echnatons (Gipsstuck, ca. 1340;
Werkstatt des kgl. Bildhauers Thutmosis)
(Ägyptisches Museum Berlin)


 

Unter Echnaton findet auch eine Sprachreform statt (z.B. ist "pa" der neuägyptische bestimmte Artikel) und das Neuägyptische wird Schriftsprache.

Echnaton benutzt den von 2 Pferden gezogenen Wagen als Fortbewegungsmittel und zur Repräsentation, zu welchem Zweck es in Achet-Aton 40 m breite Straßen gibt.

Die zeitgenössische Aussprache des Namens "Echnaton" ("Ach-en-Aton") soll "Amanchatpa" oder "Achanjati", die des Namens "Nofretete" ("Neferet-iti") "Nafteta" lauten (gemäß Thomas Schneider, "Lexikon der Pharaonen"; s. Literaturliste unter "Hieroglyphen"). Es handelt sich m.E. dabei um ausländische Verballhornungen von unverstandenen ägyptischen Namen und Titeln in der Amarna-Korrespondenz. Beispiele daraus: "Nebcheperure" wird zu "Nipchuchurija", "Tahemetnesu" zu "Dachamunzu".

Echnaton huldigt und opfert seinem Gott Aton
("Talatat"-Sandsteinplatte; Echnaton mit Roter Krone)
(Quelle: "Tour Egypt")

 

"Dachamunzu-Affäre"

 

Es existiert der Brief einer verwitweten ägyptischen Königin, der nur in hethitischen Quellen erhalten ist; darin bittet sie Suppiluliuma, den hethitischen König, um die Entsendung eines Prinzen, der ihr Gemahl und König von Ägypten werden könne, da sie keinen Sohn und Thronfolger habe. Bei der Königswitwe dürfte es sich entweder um Nofretete (Witwe Echnatons) oder um deren Tochter Anchesenamun (Anchesenpaaton vor ihrer Umbenennung, Witwe Tutanchamuns) handeln, wie der Ägyptologe Erik Hornung (in seinem Buch "Echnaton") annimmt.
Auch Kija als "Witwe" Echnatons scheint in Frage zu kommen, wie einige Autoren vermuten (natürlich nur dann, wenn sie n i c h t die Mutter von Tutanchamun ist).

Die Königin wird nur mit ihrem Titel "Dachamunzu" genannt (die hethitische Verballhornung des ägyptischen Titels "Ta-hemet-nesu" = "Königsgemahlin"). Prinz Zannanza wird allerdings auf seiner Reise nach Ägypten (von der ägyptischen Opposition ?) ermordet, worauf ein hethitischer Rachefeldzug ausgelöst wird, bei dem eine Pest-Epidemie ausbricht, an deren Folgen Suppiluliuma stirbt. Es wird vermutet, daß auch der frühe Tod einiger hochgestellter Persönlichkeiten der Amarna-Zeit auf die Pest zurückgeht.

 

Aton-Hymnus

 

Der Autor des Sonnengesangs (Aton-Hymnus) ist mit Sicherheit Echnaton, der hier in feinfühliger Weise Aton, den Sonnengott und "Herrn der Welt", preist; den Aton, der als Schöpfergott alles hervorgebracht hat und für alle Menschen, Tiere und Pflanzen und deren Gedeihen sorgt.
Echnatons Sonnenhymnus wird gern verglichen mit dem Sonnengesang des Franz von Assisi und mit Psalm 104.

Im Felsengrab des Eje (Aja) ist der Aton-Hymnus vollständig aufgezeichnet, in einigen Beamten-Gräbern der Amarna-Zeit teilweise.

 

Das "Finale" des Sonnenhymnus Echnatons lautet:

"Seit du die Welt gegründet hast, erhebst du sie
für deinen Sohn, der aus deinem Leib hervorgegangen ist,
den König Beider Ägypten, Nefercheperure Waenre,
den Sohn des Re, der von der Maat lebt,
den Herrn der Diademe, Echnaton, groß in seiner Lebenszeit,
und die Große Königsgemahlin, die er liebt,
die Herrin Beider Länder, Nofretete,
die lebendig und jung ist [sei]
für immer und ewig."

 

Ein weiterer Abschnitt aus dem Aton-Hymnus:

"Gehst du unter im westlichen Horizont,
ist die Erde in Finsternis, in der Verfassung des Todes".

Es werden die Fragen des Daseins nach dem Tode (Unterwelt), des Todes überhaupt und auch der Nacht (als Gegenpart des Tages) völlig ausgeklammert bzw. gar nicht erst gestellt! So wird nicht nur Amun, sondern auch Osiris durch Aton entthront (E. Hornung)! Diese Einseitigkeit Echnatons - so viele Dinge, die den Ägyptern lieb und heilig waren, zu verdrängen und zu ignorieren - war es unter anderem, was ihn scheitern ließ!

 

Nach Echnatons Tod wird die alleinige, ausschließliche Verehrung des Aton, die Ächtung der meisten anderen Gottheiten und das Leugnen der Jenseitswelt aufgegeben.

Das Neuägyptische allerdings bleibt die neue Schriftsprache!

 

 


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