|
|
||
|
Königliche Familie
Altartafel der kgl. Familie: Echnaton, Nofretete und
3 Töchter Amenhotep IV. (grch. Amenophis; "Amun ist zufrieden";
1353-1336), der Sohn des Amenhotep III. und der Teje, die nichtköniglicher
Abstammung ist, wird vor seiner Thronbesteigung mit Nofretete verheiratet,
wahrscheinlich einer Tochter des hohen Beamten Eje (Aja), des späteren
Pharao.
Erläuterungen (Hieroglyphen): Echnaton: 1. Schilfblatt (I); 2. Brotlaib (T); 3. Wasserlinie (N);
1.-3.: ITN, "iten"; Iten = Aton (der Name des Gottes Aton
natürlich vorangestellt); 4. Sonnenscheibe (Determinativ für
Aton); 5. Schopfibis (ACH; "ch" wie in "Buch");
6. Plazenta ? (CH; "ch" wie in "Buch"; Konsonanten-Wiederholung
zu 5); 7. wie 3.; 5.-7.: ACHN, "ach-en" = "nutzbringend
für". Nofretete: 1.-4. wie oben; 5. Herz + Luftröhre (NFR, "nefer"
= "schön, vollkommen"); 6.-8.: dreimal wie 5: Plural
von "nefer", also NEFERU; "nefer-neferu" = "der
Vollkommene der Vollkommenen" ("der Vollkommenste");
9. wie 5.; 10. wie 2.; 9.+10.: NFRT, "neferet" = "die
Schöne"; 11. zwei Schrägstriche (langes I); 12. Pistill
(TI); 11.+12.: ITI = "ist gekommen"; 13. Königin mit
Diadem + Blume (Determinativ für den Namen einer Königin).
"Neferet-iti" = "die Schöne ist gekommen" (Nofretete);
"Nefer-nef(e)ru-Aton" = "der Vollkommenste [Schönste]
ist Aton" (der neue Name oder Beiname, den Echnaton seiner Nofretete
gab). Thronname: 1. Sonnensymbol (RA, RE; vorangestellt); 2. Herz + Luftröhre
(NFR, "nefer"); 3. Skarabäus + 3 (versetzte) Pluralstriche
(CHPR; Plural: CHPRU, "cheperu"; "ch" wie in "Buch");
1.-3.: zu lesen in der Reihenfolge 2-3-1. Beiname: 1. Lebensschleife (ANCH; "ch" wie in "Buch"); 2. unbekannt (M, "em"); 3. Statuenbasis (MAA); 4. Brotlaib (T). Zu lesen: ANCH-EM-MAAT
Im 5. Regierungsjahr benennt Amenhotep sich um in "Echnaton" (äg. Ach-en-Aton; "nutzbringend für den Aton"; "der dem Aton nützt"); im 6. wird der Bau der neuen Hauptstadt "Achet-Aton" ("Horizont [Lichtort] des Aton"; heute: Tell el-Amarna) in Angriff genommen, wohin der Hof zwei Jahre später übersiedelt. Echnaton steckt das Areal von Achet-Aton mit 14 Grenzstelen ab.
Grenzstele S (Königsfamilie bei der Anbetung des
Aton)
Die berühmte Büste der Nofretete (Ägypt.
Museum Berlin) Nofretete ist die "Große königliche Gemahlin",
die in die Staatsgeschäfte mit einbezogen wird wie auch in das
Opferritual für den "neuen" einzigen Gott Ägyptens,
den ATON (die Sonnenscheibe), dessen Prophet Echnaton ist (s. auch "Gottheiten
2": Sonnengötter [5]).
Kija (Echnatons Nebenfrau)
Die folgende Abbildung zeigt Nofretete in einer Pose, die normalerweise nur einem Pharao zukommt (wie z.B. beim "rituellen Erschlagen" der Feinde Ägyptens):
Darstellung der kgl. Barke, auf der Nofretete (mit Schurz
und charakteristischer Krone)
Echnaton opfert dem Aton eine Ente
Säulenfragment mit Relief-Darstellung der Nofretete
Auf obiger Abbildung ist Nofretete - im Gegensatz zu ihrer Büste - im "typischen Amarna-Stil" dargestellt (s.o. die Altartafel). Dem - in einer Hand endenden - Strahl des Aton, der den Uraeus ihrer Krone berührt, bringt sie Papyrusblüten dar.
Bildhauer-Studie: Echnaton und Nofretete (Amarna-Stil) Die obige Relief-Studie diente wahrscheinlich als Übungsstück
für den neuen Amarna-Stil. Echnaton trägt das königliche
Chat-Kopftuch mit dem Uraeus. Nofretetes Kopf wird von einer eng anliegenden
Kappe bedeckt.
Die königliche Familie bringt dem Aton Opfergaben
dar Auf diesem Relief sind die Figuren wieder im "typischen
Amarna-Stil" dargestellt. Die Bildnisse Echnatons vereinen maskuline
und feminine Merkmale in einer Person (Androgynie), womit Echnaton sich
als Verkörperung des Gottes Aton (Schöpfergott) sieht. Androgynie
ist für die Ägypter ein Kennzeichen für Fruchtbarkeit
(s. auch "Gottheiten 3": [36] Nilgott Hapi). Echnaton (mit
der blauen Chepresch-Krone) und Nofretete strecken ihrem Gott Aton,
der mit Uraeus dargestellt wird, Papyrusblüten als Opfergaben entgegen.
Die Strahlen Atons berühren mit ihren Händen die Opfernden
und beleben sie mit dem Anch-Zeichen. Aton wird bereits von Echnatons Vorgängern Thutmosis
IV. und Amenhotep III. verehrt. Im Tempelbezirk von Karnak werden von Echnaton Aton-Heiligtümer errichtet. Im "Gempaaton" genannten Heiligtum stehen die Kolossalstatuen Echnatons. "Gempaaton" bedeutet "der Aton ist gefunden", womit die Offenbarung der Gottheit gemeint ist. Während dieser Periode erhält Nofretete ihren neuen Namen "Neferneferuaton".
Kopf einer Kolossalstatue Echnatons
Kolossalstatue Echnatons
Kopf Echnatons (Gipsstuck, ca. 1340;
Unter Echnaton findet auch eine Sprachreform statt (z.B.
ist "pa" der neuägyptische bestimmte Artikel) und das
Neuägyptische wird Schriftsprache. Echnaton benutzt den von 2 Pferden gezogenen Wagen als
Fortbewegungsmittel und zur Repräsentation, zu welchem Zweck es
in Achet-Aton 40 m breite Straßen gibt. Die zeitgenössische Aussprache des Namens "Echnaton"
("Ach-en-Aton") soll "Amanchatpa" oder "Achanjati",
die des Namens "Nofretete" ("Neferet-iti") "Nafteta"
lauten (gemäß Thomas Schneider, "Lexikon der Pharaonen";
s. Literaturliste unter "Hieroglyphen"). Es handelt sich m.E.
dabei um ausländische Verballhornungen von unverstandenen ägyptischen
Namen und Titeln in der Amarna-Korrespondenz. Beispiele daraus: "Nebcheperure"
wird zu "Nipchuchurija", "Tahemetnesu" zu "Dachamunzu".
Echnaton huldigt und opfert seinem Gott Aton
"Dachamunzu-Affäre"
Es existiert der Brief einer verwitweten
ägyptischen Königin, der nur in hethitischen Quellen erhalten
ist; darin bittet sie Suppiluliuma, den hethitischen König, um
die Entsendung eines Prinzen, der ihr Gemahl und König von Ägypten
werden könne, da sie keinen Sohn und Thronfolger habe. Bei der
Königswitwe dürfte es sich entweder um Nofretete (Witwe Echnatons)
oder um deren Tochter Anchesenamun (Anchesenpaaton vor ihrer Umbenennung,
Witwe Tutanchamuns) handeln, wie der Ägyptologe Erik Hornung (in
seinem Buch "Echnaton") annimmt. Die Königin wird nur mit ihrem Titel "Dachamunzu" genannt (die hethitische Verballhornung des ägyptischen Titels "Ta-hemet-nesu" = "Königsgemahlin"). Prinz Zannanza wird allerdings auf seiner Reise nach Ägypten (von der ägyptischen Opposition ?) ermordet, worauf ein hethitischer Rachefeldzug ausgelöst wird, bei dem eine Pest-Epidemie ausbricht, an deren Folgen Suppiluliuma stirbt. Es wird vermutet, daß auch der frühe Tod einiger hochgestellter Persönlichkeiten der Amarna-Zeit auf die Pest zurückgeht.
Aton-Hymnus
Der Autor des Sonnengesangs (Aton-Hymnus) ist mit Sicherheit
Echnaton, der hier in feinfühliger Weise Aton, den Sonnengott und
"Herrn der Welt", preist; den Aton, der als Schöpfergott
alles hervorgebracht hat und für alle Menschen, Tiere und Pflanzen
und deren Gedeihen sorgt. Im Felsengrab des Eje (Aja) ist der Aton-Hymnus vollständig
aufgezeichnet, in einigen Beamten-Gräbern der Amarna-Zeit teilweise.
Das "Finale" des Sonnenhymnus Echnatons lautet: "Seit du die Welt gegründet hast, erhebst
du sie
Ein weiterer Abschnitt aus dem Aton-Hymnus: "Gehst du unter im westlichen Horizont, Es werden die Fragen des Daseins nach dem Tode (Unterwelt), des Todes überhaupt und auch der Nacht (als Gegenpart des Tages) völlig ausgeklammert bzw. gar nicht erst gestellt! So wird nicht nur Amun, sondern auch Osiris durch Aton entthront (E. Hornung)! Diese Einseitigkeit Echnatons - so viele Dinge, die den Ägyptern lieb und heilig waren, zu verdrängen und zu ignorieren - war es unter anderem, was ihn scheitern ließ!
Nach Echnatons Tod wird die alleinige, ausschließliche Verehrung des Aton, die Ächtung der meisten anderen Gottheiten und das Leugnen der Jenseitswelt aufgegeben. Das Neuägyptische allerdings bleibt die neue Schriftsprache!
|