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Widdersphingen-Allee von Karnak
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A m u n
Erläuterungen (Hieroglyphen): (1) 1. Schilfblatt (I); 2. Brettspiel (MN; "men");
3. Wasserlinie (N; Konsonanten-Wiederholung zu 2.); 4. Determinativ
(sitzender Amun). (2) 1. ein Paar erhobener Arme (KA); 2. Phallus (Determinativ
für "männlich"); 3. Stier (Ideogramm für "Stier"
= KA); 4. Gänsegeier (hier: MUT; nur bei der Göttin MUT und
"Mutter" = MUT); s.u. "Isis", Anm. (bei der Schreibung
des Namens der Göttin MUT wird die Hieroglyphe "Gänsegeier
+ Flagellum" verwendet); 5. Brotlaib (T; Konsonanten-Wiederholung
zu 4.); 6. Hornviper (F, "ef"). 4.-6.: MUTF; "mutef"
= seiner Mutter. (3) 1. Krokodilhaut (KM, "kem"); 2. Eule (M;
Konsonanten-Wiederholung zu 1); 3. Papyrusrolle (Det. für abstrakte
Begriffe); 1.-3.: "kem" = "Vollendung"; 4. ägypt.
Geier (A); 5. Brotlaib (T); 4.+5.: "at" = "Zeit, Zeitdauer";
6. Hornviper (F; "ef" = "seiner"); 4.-6.: "atef"
= "seiner Zeit"; 7. Sonnenscheibe (hier: Det. für Zeit
allgemein); 8. Det. (sitzender Amun). |
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Der Gott AMUN ist schon im Alten Reich (als Lokalgottheit) bekannt; aber erst im Mittleren Reich (ab der 11. Dyn., die aus Theben = ägypt. Waset stammt) wird er in ganz Ägypten als Reichsgott verehrt. Die Priester (Theologen) von Heliopolis, Theben und Memphis erkennen, daß der Schöpfer außerhalb seiner Schöpfung stehen, also "unfaßbar" sein muß. Daher die Bezeichnung "Amun", d.h. "der Unsichtbare", "der Verborgene". Alle anderen Götter sind nur "Aspekte" des Amun. Somit haben schon die altägyptischen Theologen eine Art Monotheismus entwickelt! Die "Transzendenz" des Amun datiert etwa vom Beginn des Neuen Reiches (18. Dyn.). Knapp 200 Jahre später ersetzt Echnaton (ebenfalls 18. Dyn.) den Amun-Kult durch seine "Aton-Religion", auch eine Art Monotheismus, der eher eine Naturphilosophie als eine Religion darstellt. Darin figuriert Aton (die lebenspendende Sonnenscheibe) als der Allmächtige und Wohltätige, als der Eine und Einzige, der zugleich das ganze Weltall und alle Geschöpfe verkörpert. Bei dieser Weltsicht erscheint Aton eher als vergeistigte Naturkraft denn als Gottheit. Bald nach dem Tod des "Ketzer-Pharaos" Echnaton findet eine Restauration des Amun-Kultes statt (s. "Tutanchamun"). Die Krone des Amun wird von 2 stilisierten, langen Schwanzfedern des Falken geschmückt: Symbol der Herrschaft Amuns über den Himmel. Die Federn sind in jeweils 7 symbolhafte Felder unterteilt. Von seiner Krone hängt ein langes Band herab, ebenfalls ein Attribut des Amun. Sein heiliges Tier ist der Widder. Die blaue Hautfarbe Amuns weist ihn als Himmelsgott aus. Die "Triade von Theben" besteht aus dem Götterpaar Amun und Mut sowie deren Sohn Chons (Mondgott). Der Tempel von Karnak ist Amuns größtes Heiligtum (mit einer Allee widderköpfiger Sphingen als Zugangsstraße). Die Köpfe der Sphingen der Allee zum Karnak-Tempel (Aton-Heiligtum, "Gempaaton") stellten ursprünglich abwechselnd Echnaton und Nofretete dar; Tutanchamun verwandelte beide in Widdersphingen zum höheren Ruhme Amuns!
Amun von Karnak
Amun von Karnak Erscheinungsformen des Amun: Im Mittleren Reich kommt es zu einer Verbindung mit Re; so wird er zu Amun-Re, dem "König der Götter". Ebenso wird der thebanische Kriegsgott Month zu einem Aspekt des Amun. In die Schöpfungsmythen der thebanischen Priesterschaft, die Amun in den Mittelpunkt rückt, fließen auch ältere Elemente ein: so wird Amun zu "Amun-Kematef" ("der seine Zeit vollendet hat"), einer sich häutenden Schlange (Symbol der Schöpfung). Mit dem Fruchtbarkeitsgott Min kommt es im Neuen Reich zur Verbindung Amun-Min, wobei auch Amun (wie Min) ithyphallisch dargestellt wird. Beide Götter haben den Beinamen "Kamutef" ("Stier seiner Mutter"), was sie als ihre eigenen Erzeuger kennzeichnet (Prinzip des sich selbst und alle Wesen erzeugenden Schöpfers). "Amun" ist Bestandteil der Herrschernamen mehrerer Pharaonen des Mittleren und Neuen Reiches, wie z.B. Amenemhat ("Amun ist an der Spitze") oder Amenhotep ("Amun ist zufrieden"). Seit der 12. Dynastie ist Amun der Reichsgott von Ägypten; auch die 18. Dynastie (mit Ausnahme von Echnaton) stärkt die Vormachtstellung des Amun. Schließlich regiert seine eigene Priesterschaft neben der 21. (tanitischen) Dynastie, nämlich die "Hohenpriester von Theben" (s. dort).
Serket
Erläuterungen (Hieroglyphen): (1) 1. gefaltetes Tuch (stimmloses S);
2. Mund (R); 3. Hügelabhang (gutturales K; Q); 4. Brotlaib (T);
1.-4.: SRKT, "ser(e)ket"; 5. Skorpion (Determinativ für
Serket); 6. Determinativ (Göttin). (2) 1.-4. s. (1); 1.-4.: SRKT, "serket"
= "die atmen läßt"; 5. gedrehter Docht (emphat.
H); 6. Brotlaib (T); 7.+8. zweimal Schilfblatt (langes I, Y); 9. wie
6.; 5.-9.: HTIT, "hetit" = Kehle; 10. Kopf + Nacken eines
Tieres (Determinativ für Nacken, Kehle). (3) 1. Korb (NB; "neb"); 2.
Brotlaib (T); 1.+2.: NBT, "nebet" = Herrin; 3. Haus + Determinativ-Strich
(PR; hier: Haus; weitere Erklärungen s. "Pernefer", schönes
Haus); 4. Herz + Luftröhre (NFR; "nefer"); 5. Hornviper
(F); 6. Mund (R); 5.+6.: Konsonanten-Wiederholungen zu 4. (4) 1. aufgerolltes Schutzdach
aus Papyrus + Determinativ-Strich (SA = "Schutz"; Hieroglyphe
bedeutet das, was sie darstellt; s. auch "Symbole", SA-Schleife);
2. Papyrusrolle (Determinativ für abstrakte Begriffe); 3.-6. s.
1.-4. (1).
SERKET ist die Skorpion-Göttin (dargestellt mit einem Skorpion auf ihrem Haupt), eine der 4 Göttinnen, die für den Schutz der Innereien Verstorbener zuständig sind. Die Innereien der Mumien (Leber, Lunge, Magen, Eingeweide) werden in 4 sog. Kanopengefäßen aufbewahrt (s.u.: Anubis). Serkets Beiname "Herrin des schönen Hauses" bezieht sich auf die Balsamierungsstätte (s. "Pernefer": "Haus der Schönheit").
Serket mit Skorpion-Symbol auf ihrem
Haupt Die Göttin Serket wird von den Griechen "Selkis" genannt, wodurch sich der Name "Selket" erklärt.
Anubis
Erklärungen + Erläuterungen (Hieroglyphen): (1) 1. Schilfblatt (I); 2. Wasserlinie
(N); 3. Hocker (P); 4. Wachtelküken (W=U); 5. liegender Hund oder
Schakal auf einem Schrein (Determinativ für Anubis). (2) 1. Korb (NB; "neb" = Herr);
2. Land (TA); 3. Arm mit Amtsstab in der Hand (DJSR; "djeser"
= heilig). (3) 1. Kopf im Profil (TPI; "tepi"
= Kopf; erster; befindlich auf); 2. Berg + Determinativ-Strich (DJU,
"dju", "dschu" = Berg; Hieroglyphe bedeutet das,
was sie darstellt); 3. Hornviper (F; "ef" = sein). (4) 1. gekreuzte
Stäbe (IMI; "imi" = "der im ... ist"); 2. Eule
(M; Konsonanten-Wiederholung zu 1); 3. Wachtelküken (W = U); 4.
Brotlaib (T); 5. Pustel (Det. "ut" in "Imiut", einem
Beinamen des Anubis); 3.-5.: "UT" = "Einbalsamierer"
(d.i. Anubis). (5) wie 1.-3. von (1): 1. Schilfblatt (I); 2. Wasserlinie (N); 3. Hocker (P); 1.-3.: INP, "inep" = "auf dem Bauch liegen"; 4. sitzender Anubis (Determinativ).
Osiris wird von zwei Imiut-Fetischen flankiert
Anubis wird in Menschengestalt mit dem Kopf eines Schakals (Hundes) dargestellt. Er ist der Totengott und "Mumifizierer"; später assistiert er Osiris beim Totengericht (Wägung der Herzen). Anubis hat den Beinamen "Herr des heiligen Landes" (d.i. "Herr der Nekropolen"). Die Einbalsamierung der Leichen wird von einem Priester mit Schakalsmaske (Hundemaske) ausgeführt (als Vertreter des Gottes).
Der Schakal (Hund), die Erscheinungsform
des Anubis,
Anubis mit menschlichem Kopf Auf diesem Relief aus dem Tempel Ramses´II.
in Abydos erscheint Anubis mit dem Haupt eines Menschen! Dies ist
das einzige bekannte Beispiel für eine so ungewöhnliche
Darstellungsweise des Anubis! (Anm.: die Hieroglyphen [von rechts
nach links und von oben nach unten zu lesen] nennen seine Beinamen
5+2)
Die 4 Göttinnen SERKET, NEITH, ISIS und NEPHTHYS schützen den Toten und seine Innereien, die in 4 Kanopengefäßen (Steinvasen) aufbewahrt werden, nachdem sie gereinigt und in Natronsalz (Natriumcarbonat + Natriumbicarbonat) gelegt worden sind, um sie auszutrocknen. Die Deckel der Kanopen sind als Menschenkopf (1) und als Tierköpfe (3) ausgebildet und stellen die 4 Horussöhne dar (IMSETI, DUAMUTEF, HAPI und QEBEHSENUEF). Die 4 Horussöhne (s. "Gottheiten 4" [41]) wiederum stehen unter dem Schutz der o.g. 4 Göttinnen, die die 4 Ecken (Himmelsrichtungen) des Kanopenschreins, der die 4 Kanopengefäße enthält, schützend umfangen halten. Die Zahl 4 ist im Totenkult offenbar von Bedeutung: 4 Kanopen mit den Innereien des Verstorbenen, die von den 4 Horussöhnen bewacht werden; der Kanopenschrein wird von 4 Göttinnen beschützt. Die 4 Horussöhne und die 4 Göttinnen repräsentieren außerdem die 4 Weltgegenden (Himmelsrichtungen).
Upuaut
Erläuterungen (Hieroglyphen): (1) 1. Rindergehörn (UP); 2. Hocker (P; Konsonanten-Wiederholung
zu 1); 3. von Büschen gesäumter Weg + 3 Pluralstriche (UA;
Plural: UAU); 4. Brotlaib (T); 5. Schakal [Wolf] auf Standarte (Determinativ
für Upuaut). (2) Zeichen des Upuaut: Wolf oder Schakal auf Standarte
(s. auch "Gottheiten 4" [39] Sed). Bei der zweiten Hieroglyphe
ist die Standarte von einer Keule (kriegerisches Attribut des Upuaut)
durchdrungen; diese Form stammt aus dem Alten Reich.
UPUAUT, der "Öffner der Wege", wird in Menschengestalt mit dem Kopf eines Schakals (Wolfes) dargestellt. Seine Attribute sind Keule und Bogen. Beim Tode eines Pharaos wird dessen Leiche in einem Prozessionszug mit Götterstandarten ("Horusgeleit") zu seiner Grabstätte gebracht; die Standarte des Upuaut befindet sich an der Spitze des Geleitzuges. Upuaut ist - wie Anubis, durch den er schon in sehr früher Zeit ersetzt wird - ein Totengott, der den Seelen den Weg ins Totenreich ebnet. Auch Upuaut führt - wie Anubis - den Beinamen "Herr des Heiligen Landes".
Der Schakal (Wolf), die Erscheinungsform des Upuaut,
Relief-Darstellung des Upuaut Von welchem Bauwerk stammt diese Relief-Darstellung
des Upuaut? Hauptkultort des Upuaut ("Wepwawet") ist Sauti
(grch. Lykopolis, "Wolfsstadt"; heute: Assiut), Hauptstadt
des 13. oä. Gaues.
Horus
Horus ist zunächst ein Himmelsgott, sein Symbol ein Falke mit ausgebreiteten Flügeln. Horus, äg. Her(u), bedeutet "der oben ist" (fliegender Falke am Himmel), "der Hohe" oder "der Entfernte". Der Himmelsfalke (Horus) wird mit dem König gleichgesetzt (daher der "Horus-Name" des Königs, s. "Titulatur der Pharaonen"). Später gilt Horus als Sohn des Osiris und der Isis. Dargestellt wird der Gott Horus in falkenköpfiger Menschengestalt mit einer uräus-umwundenen Sonnenscheibe auf dem Haupt. Als Gott der Morgensonne (Harachte; s.u.) wird Horus häufig mit Löwenkopf dargestellt (der Löwe gilt als solares Tier).
Horus im Pantherfell (Leopardenfell)
Weitere Namen und Erscheinungsformen des Horus: (1) Von den Griechen wird er
auch "Harsiësis" ("Horus, Sohn der Isis")
genannt (äg. "Hor-Sa-Iset"). In dieser Form vollzieht
Horus das Mundöffnungsritual an seinem Vater Osiris. Als "Horus-Jun-mutef"
zelebriert ein "Sem"-Priester (Totenpriester) im Pantherfell
oder der älteste Sohn eines Verstorbenen ebenso dieses Ritual
für seinen Vater. (2) Als Sohn des Re wird er in
Kom Ombo (OÄ) unter dem Namen "Haroëris" (äg.
"Hor-wer" oder "Her-wer" oder "Her-ur"
= "Horus der Große", "Horus der Ältere")
verehrt. Der Doppeltempel von Kom Ombo ist die einzige Kultstätte
für zwei Gottheiten (von den Ptolemäern errichtet): der
südliche Teil ist dem krokodilsköpfigen Gott Sobek geweiht
(mit Hathor und Chons als Götter-Triade; beide gehören ursprünglich
anderen Triaden an; s. "Gottheiten 3"), der nördliche
dem falkenköpfigen Gott Haroëris, der mit Tasenetneferet
("die schöne Schwester") und dem jugendlichen Panebtaui
("der Herr Beider Länder") eine weitere Götter-Triade
bildet. (3) "Harpokrates" ist
die griechische Verballhornung der ägyptischen Bezeichnung "Hor-pa-chered"
("Horus das Kind"). In dieser Form wird er mit Jugendlocke
und Lutschfinger (s. Kindgott Ihi, "Gottheiten 3" [12])
dargestellt, nackt auf einer Lotosblüte sitzend ("Sonnenkind
auf der Lotosblüte"). Die Griechen mißdeuten die Geste
mit dem Finger am Mund und machen daraus einen "Gott des Schweigens".
Horusstele (Cippus) "Horus das Kind" steht
hier nackt auf 2 Krokodilen, in den Händen gefährliche Tiere
(Schlange, Skorpion, Löwe) haltend, flankiert von 2 Emblemen
(mit Bezug zu solaren Gottheiten), über ihm ein Bes-Kopf. Der
Dargestellte soll vor Skorpionstichen und Schlangenbissen schützen.
Die "Horusstele" (auch "Cippus" genannt) ist seit
der Spätzeit bis in die Römerzeit "en vogue" (ca.
7. Jh.v.Chr. bis Ende 4. Jh.n.Chr.). (4) Unter der Bezeichnung "Harendotes"
(grch.) tritt Horus als Rächer seines von Seth ermordeten Vaters
Osiris auf (äg. "Hor-nedj-itef"; wörtlich: "Horus,
der Schützer seines Vaters"). (5) Der Name "Harsomtus"
ist die Verballhornung der ägyptischen Bezeichnung "Hor-Semataui"
("Horus, der Vereiniger der Beiden Länder"). Außer
diesem Aspekt der Vereinigung von OÄ und UÄ gilt Horus (Harsomtus)
auch als Schöpfergott, indem er in Gestalt eines Kindes oder
einer Schlange auf einer Lotosblüte dargestellt wird (da der
Lotos die Blume war, die aus dem Urozean auftauchte; s. auch "Horus
das Kind"). (6) "Hor-em-achet" ("Horus im Horizont"; grch. Harmachis) ist eine andere Bezeichnung für den Sphinx (seit dem NR; s. "Upuaut-Projekt"). (7) In Athribis (äg. Hut-Heriib)
im Deltagebiet wird der Krokodilgott Chentechtai (Chenticheti) verehrt,
der aber bald die Gestalt des falkenköpfigen Horus annimmt und
als "Horus Chenticheti" bezeichnet wird. (8) In Bubastis wird Horus als "Hor-hekenu" verehrt, d.h. (wörtlich) "Horus der Salben". Unter dieser Bezeichnung hat er auch den Beinamen "Herr des Schutzes", womit die schützende Kraft der Salben gemeint ist. Die Toten werden nicht nur gereinigt sondern auch gesalbt, um durch den Wohlgeruch zu duften wie die Götter. (9) In Edfu (äg. Mesen + Djeba)
wird Horus im Bild der Flügelsonne verehrt (als "Horus von
Behedet" oder "Horus Behedeti"). Behedet (heute: Damanhur)
ist eine Stadt im Deltagebiet (17. uä. Gau). Flügelsonnen-Relief vom Horus-Tempel
in Edfu (10) Horus von Nechen (grch. Hierakonpolis; heute: Kom el-Ahmar) assimiliert möglicherweise schon in der frühdynastischen Zeit eine dort verehrte Falken-Gottheit namens "Necheni" ("der von Nechen"). Der goldene Falkenkopf aus dem Tempel von Nechen (Ägypt. Museum Kairo) stammt wahrscheinlich von einer Kultstatue des Gottes. (11) Der Falkengott Horus Chenti-irti wird spätestens
seit der 4. Dynastie - wahrscheinlich schon seit der Thinitenzeit
- in Chem (2. uä. Gau; grch. Letopolis; heute: Kom Ausim) im
südwestlichen Delta verehrt. Der Beiname "Chenti-irti"
bedeutet "der den beiden Augen vorsteht", womit die Sonne
und der Mond (bzw. das Sonnen- und Mondauge des Horus) gemeint ist.
(12) Harachte ("Horus des Horizonts") ist
eine weitere Erscheinungsform des Horus. Der Horizont ist die Stätte
des Sonnenauf- und -untergangs ("Horizont" ist auch eine
Metapher für "Tempel" und "Königspalast");
als "Harachte" fungiert Horus als Gott der Morgensonne (des
Sonnenaufgangs). Harachte wird besonders in Heliopolis verehrt. In
Verbindung mit dem Sonnengott Re wird er zu Re-Harachte (s. "Gottheiten
2", Sonnengötter: [4] Re-Harachte).
Horus in falkenköpfiger Menschengestalt
mit der
Erläuterungen (Hieroglyphen): (1) 1. gedrehter Docht (emphat.
H); 2. Gesicht (HR; H: Konsonanten-Wiederholung zu 1); 3. Mund (R;
Konsonanten-Wiederholung zu 2); 4. Wachtelküken (W = U); 5. Horusfalke
auf Standarte (Determinativ für den Gott Horus). - Die 4. Hieroglyphe
(Wachtelküken) kann auch wegfallen. (2) 1. Falke (HER, HOR; Ideogramm für
HORUS); 2. Wasserlinie (N); 3. Kobra (DJ); 4. unbekannt (NDJ; "nedj",
"nedsch" = Schützer, Retter; Konsonanten-Wiederholungen
zu 2+3); 5. Schilfblatt (I); 6. Brotlaib (T); 7. Hornviper (F, "ef");
5.-7.: ITF; "itef" = seines Vaters. (3) 1. Pfeiler (Säule, Stütze)
+ Determinativ-Strich (Hieroglyphe bedeutet das, was sie darstellt,
nämlich "Pfeiler") (JUN); 2. Geier (MUT; "mut"
= "Mutter"; s.o. "Amun", Kamutef); 3. Brotlaib
(T; Konsonanten-Wiederholung zu 2); 4. Hornviper (F, "ef");
2.-4.: MUTF; "mut-ef" = seiner Mutter.
Sokar
Sokar (Seker, Sokaris; "der auf seinem Sande ist") ist der Gott der Handwerker und der Toten. Als Totengott wird er mit Ptah und Osiris gleichgesetzt. Er wird mumienförmig (wie Osiris) dargestellt, in Menschengestalt mit Falkenkopf. Sokar ist der Gott der Nekropole (Totenstadt) von Memphis. In dem Ortsnamen "Sakkara" lebt sein Name fort! Sokar in falkenköpfiger, mumienförmiger
Gestalt Als "Ra-Setjau" (Ra-Setschau,
Ro-Setau) wird die Nekropole von Gizeh (mit den drei Pyramiden und
dem Sphinx) bezeichnet, auch "Nekropole des Sokar" genannt.
In Grabtexten ist zu lesen, daß Ra-Setjau das Einlaßtor
zur Totenstadt sei und den Zugang zur "Duat" (Unterwelt)
gewähre. Die 12-stündige Nachtreise der Sonne durch die
Duat wird im "Amduat" ("das, was in der Duat ist"),
einem Totentext, detailreich beschrieben (s. "Ka, Ba + Ach":
Totentexte [5]).
Erläuterungen (Hieroglyphen): (1) 1. Türriegel (stimmhaftes
S); 2. Korb mit Griff (K); 3. Mund (R); 4. "Henu"-Barke
(Determinativ für den Gott Sokar) (2) Falke auf einer heiligen
Barke (der "Henu"-Barke des Sokar). (3) 1. Mund + Determinativ-Strich
(RA; kopt. RO); ein Strich unter einem Ideogramm zeigt an, daß
das gemeint ist, was das Ideogramm (die Hieroglyphe) darstellt, nämlich
hier "RA" (Mund) und nicht (nur) "R" wie z.B.
in "Sokar" (s.o.); 2. Kombination aus "Türriegel"
und 3 "Seilrollen", also Plural-U (STJAU, "setjau",
"setschau"); 4. Det. (Land, Wüste; hier: Nekropole).
(4) 1. Korb (NB; "neb"
= Herr); 2. Gartenteich (SCH); 3. Brotlaib (T); 4. Töpferofen
(TA; T: Konsonanten-Wiederholung zu 3); 5. äg. Geier (A; Konsonanten-Wiederholung
zu 4); 6.+7. zweimal Schilfblatt (langes I; Y); 8. wie 3. (T); 9.
Papyrusrolle (Determinativ für abstrakte Begriffe). 2.-8.:
"schetaït" = "die Geheime, Verborgene, Geheimnisvolle".
Osiris
Osiris trägt
entweder die Atef-Krone oder nur die Weiße Krone, da Abydos
in OÄ sein Hauptkultort ist, wo sich auch sein Grab befinden
soll (s. auch "Kronen + Embleme"). Seine Hautfarbe kann weiß (wie die Mumienbinden), schwarz (wie die fruchtbare Erde) oder grün (Farbe der Vegetation und der Auferstehung) sein. Schwarz weist auch auf Osiris´Unterwelt und die Wiedergeburt hin (s. "Gottheiten 2", vergöttlichte Personen: Ahmes-Nefertari). Osiris ist nicht nur ein Totengott, sondern er verkörpert auch die Fruchtbarkeit der Erde und der Pflanzen. In den Pyramidentexten führt Osiris als Vegetationsgott und Wiederauferstandener den Beinamen "Großer Grüner" (äg. "Wadj-wer").
Der wiederauferstehende
Osiris (26. Dyn.) Es existiert eine wunderschöne, goldene Figurengruppe der "Osiris-Familie" (in der Mitte sitzt Osiris auf einem Pfeiler in Hockstellung, flankiert von Isis und Horus), die in der Königsnekropole von Tanis gefunden wurde (Osorkon II., 3. Zwischenzeit, 22. Dynastie).
Die "Osiris-Familie" (Osiris trägt die
Erklärungen + Erläuterungen (Hieroglyphen): (1) 1. Sitz, Thron (US); 2. Auge (IR); 3. Determinativ (Gott). Zu lesen: USIR (grch. Osiris). (2) 1. Fahnenmast + Wimpel (NTJR; "netjer",
"netscher"); 2. Holzsäule (AA). (3) 1. Hase (WN = UN); 2.+3. zweimal
Wasserlinie (NN; Konsonanten-Wiederholungen zu 1); 4. Herz + Luftröhre
(NFR; "nefer"); 5. Det. (Gott). (4) 1. Korb (NB; "neb" =
Herr); 2. Djed-Pfeiler (DJD; "djed"); 3. Determinativ (Ort,
Stadt); 4. Wachtelküken (W=U). (5) 1. Korb (NB; "neb" =
Herr); 2. Aba-Zepter (ABA, AB); 3. Fuß (B; Konsonanten-Wiederholung
zu 2); 4. Berg (DJU); 5. Determinativ (Ort, Stadt). (6) 1. Sitz, Thron (US); 2. Auge (IR);
3. ein Paar erhobener Arme (KA; "ka" = Stier); 4. Emblem
und Ideogramm für "Westen" (IMNT, "imenet"
= Westen). (7) (1.Variante) 1. Heka-Zepter (HKA,
"heka" [gutturales K; Q] = Herrscher); 2. Perlhuhn (NH,
"neh" [emphat. H]); 3.+4. zweimal gedrehter Docht (HH; "heh"
[emphat. H]; z.T. Konsonanten-Wiederholung zu 2); 2.-4.: NHH, "neheh"
(= Ewigkeit); 5. Sonne (Determinativ für "Zeit"). (7) (2. Variante): s.o.; verkürzte Schreibweise (ohne Vogel) und graphische Umstellung aus ästhetischen und kalligraphischen Gründen (Sonne hier zwischen den beiden Docht-Hieroglyphen); gleiche Lesung. Ein weiterer Beiname des Osiris ist "Herr des Universums"
oder "Weltenherrscher" (äg. "NEB-ER-DJER");
wörtlich: "Herr bis ans Ende" (bis an das räumliche
wie zeitliche Ende der geschaffenen Welt; n. E. Hornung: "Der
Eine und die Vielen"). Zu "Osiris" s. auch: "Neunheit von Heliopolis"; "Totenopfer" (Totengericht); "Anubis"; "Horus"; "Sokar"; "Symbole" (Djed-Pfeiler, Heka-Zepter); "Kronen + Embleme" (Atef-Krone).
I s i s
Die berühmteste
Götter-Triade besteht aus Osiris, dessen Schwester-Gemahlin Isis
und deren Sohn Horus. Isis ist der Inbegriff der Mütterlichkeit
und treuen Ehefrau. Sie trägt die Hieroglyphe "Thronsitz" auf ihrem Haupt; ihr ägypt. Name lautet "Aset" oder "Iset" (grch. Isis). Isis ist die Gottheit des königlichen Throns und Beschützerin des Pharaos.
Isis (mit
ihrem Thron-Symbol auf dem Haupt) kniend auf der "Gold"-Hieroglyphe Zusammen mit ihrem kleinen Sohn Horus wird sie als "Gottesmutter" tituliert; sie gilt auch als Mutter des Pharaos, da dieser als "irdischer Horus" angesehen wird.
Gottesmutter Isis säugt den Horusknaben Seit dem NR trägt Isis auch
das Kuhgehörn mit Sonnenscheibe auf dem Haupt (wie Hathor).
Erklärungen + Erläuterungen (Hieroglyphen): (1) (1. Variante) 1. Thronsitz (AS,
IS); 2. Brotlaib (T); 1.+2.: AST, "aset" od. IST, "iset";
3. Determinativ (Göttin). (2) 1. ägypt. Geier (A); 2.-4.
wie 1.-3. (1); 2. hat auch den Lautwert "ST" ("set"). (3) 1. Fahnenmast + Wimpel (NTJR; "netjer"
= Gott); 2. Geier (hier: MUT; "mut" = Mutter); s.u. "Anm.";
3. Brotlaib (T; Konsonanten-Wiederholung zu 2); 4. Ei (Determinativ
für Göttin). "Netjer" wird respektvollerweise
vorangestellt. Anm. zu "2. Geier": Es gibt (a) den "Ägyptischen Geier" ("Schmutzgeier") mit dem Lautwert "A" und (b) den "Gänsegeier" mit dem Lautwert "MT"; Ausnahmen: bei der Schreibung des Namens der Göttin MUT und bei der äg. Bezeichnung für "Mutter" (ebenfalls MUT) hat (b) den Lautwert "MUT"! Die Hieroglyphe für die Ausnahmen unter (b) ist also der (Gänse-)Geier mit einem hinter den Flügel geklemmten, dreschflegelähnlichen "Zepter" (gemäß H. Wilson; s. Literaturliste unter "Hieroglyphen"; "Zepter" von mir in Anführungsstriche gesetzt). Der (Gänse-)Geier ist das heilige Tier der Göttin Mut. Bei der Schreibung des Namens der Göttin wird der Gänsegeier mit Flagellum dargestellt (s. "Gottheiten 3": [5] Maat, Kartusche der Nefertari); bei "Mutter" (s.o.): ohne. (4) 1. Schwalbe (WR); 2. Brotlaib (T);
1.+2.: WRT, "weret"; weibliche Form zu "wer" =
groß; 3. gedrehter Docht (emphat. H); 4.-6. dreimal ein Paar
erhobener Arme (KA; Plural: KAU); 3.-6.: "hekau" = Zauber
(Plural); 7. Det. (Göttin). (5) 1. Korb (NB; "neb");
2. Brotlaib (T); 1.+2. NBT, "nebet" = Herrin; 3. Mund (R;
"er" = bis; präp.); 4. Flachsbündel (DJR; "djer"
= (zum) Ende); 5. Mund (R; Konsonanten-Wiederholung zu 4); 6. Kobra
(Determinativ für Schlangen-Göttinnen; hier: Isis). Zu "Isis" s. auch: "Neunheit von Heliopolis"; "Kronen + Embleme".
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