(s. auch "Neunheit", "Kronen + Embleme")

 

(1) Bastet

Die besonders in Bubastis (s. "Hauptstädte" Nr. 10) verehrte Göttin wird zunächst (seit dem Alten Reich) in löwenköpfiger Menschengestalt dargestellt (ebenfalls die Göttinnen Tefnut und Sachmet); seit dem Neuen Reich tritt Bastet katzenköpfig auf, nachdem im Mittleren Reich die Katze ihr heiliges Tier geworden ist.
Bastet gilt als Mutter des Löwengottes Miysis (äg. Mahes), der den Beinamen "Herr des Gemetzels" trägt.

 

(2) Chons

Die "Triade von Theben" besteht aus Amun, Mut und deren Sohn Chons. Der Mondgott Chons ("Durchwandler des Himmels") wird mumienförmig dargestellt, mit den Herrschaftssymbolen Krummstab und Geißel sowie mit der Mondscheibe und der Mondsichel auf seinem Haupt. Als "Chons das Kind" (mit Jugendlocke) wird er zum Schutzgott gegen böse Tiere; auch wirkt er in dieser Erscheinungsform als Ratgeber bei Krankheiten.
Seit dem NR erhält Chons den Beinamen "Neferhotep" ("der vollkommen Gnädige").

"Chons das Kind" mit Seitenlocke und Herrschaftssymbolen
und den Gesichtszügen des Tutanchamun dargestellt
(Ägyptisches Museum Kairo) (Quelle: "Tour Egypt")

 

"Chons das Kind"
(Quelle: http://www.bueso.de/seiten/zepp/hzl0205.htm)

 

(3) Hathor

Der Hauptkultort der Hathor (Hat-Hor) schon im Alten Reich ist Dendera (s.u., IHI). Ihr Name bedeutet "Haus (Tempel) des Horus". Sie gilt als Mutter des Horus; später tritt Isis an ihre Stelle. Hathor wird kuhgestaltig und in Menschengestalt (mit Kuhohren) dargestellt mit Kuhgehörn und Sonnenscheibe auf dem Haupt.
Das Sistrum, ein Rasselinstrument, ist ihr häufigstes Attribut. Hathor ist auch die Göttin des Tanzes, der Musik, der Liebe und der Freude. Hathors Beiname "Herrin des Malachits" bezieht sich auf die grüne Farbe dieses Minerals; grün gilt als Ausdruck der Freude.
Der Hathor heilig sind die Myrrhenbäume aus dem Land Punt; daher ihre Beinamen "Herrin des Parfums" und "Herrin von Punt".
Außerdem bewohnt sie als Fruchtbarkeitsgöttin die Bäume ("Herrin der Sykomore" = äg. "Nebet-nehet").
Ein weiterer Beiname der Hathor ist "Herrin der Trunkenheit" (s. "Schebenu": [7] Wein + Bier).

Hathor begrüßt Nefertari
(Grab der Nefertari)

 

(4) Herischef

Der in Herakleopolis (s. "Hauptstädte" Nr. 3) verehrte Herischef ist ein Fruchtbarkeitsgott in Widdergestalt (grch. Harsaphes, mit Herakles gleichgesetzt). Teils wird er mit Re identifiziert und mit der Sonnenscheibe auf dem Haupt, teils mit Osiris und dann mit der Atef-Krone dargestellt. Sein Name bedeutet: "Der auf (über) seinem See ist".

Herischef in widderköpfiger Menschengestalt (Goldstatuette; 25. Dyn.)
(Quelle: "Tour Egypt" + Museum of Fine Arts Boston)

 

(5) Maat

Die Göttin Maat (Ma-at) wird mit einer Straußenfeder auf dem Haupt dargestellt (s. auch Abb. unter "Kronen + Embleme"). Sie personifiziert die Begriffe Wahrheit, Recht (Gerechtigkeit) und die kosmische Ordnung. Das Abbild der Göttin wird, als Puppe auf der Hand des Pharaos, von diesem den Göttern als Opfer dargebracht. Diese Geste soll ausdrücken, daß der König die göttliche Ordnung vertritt. Die Richter werden als "Priester der Maat" bezeichnet.
Beim Totengericht des Osiris (s. "Totenopfer") wird das Herz des Verstorbenen gegen die Feder der Maat aufgewogen. Das Gegenteil von "Maat" ist "Is(e)fet": Unrecht, Unordnung, Lüge, Böses. Die zentrale Frage des Totengerichts ist also die nach einem "maat-gerechten" Leben.

Maat (mit Straußenfeder auf dem Haupt) beschützt die Kartusche der
Nefertari; rechts die Skorpion-Göttin Serket (Grab der Nefertari)

Kartusche der Nefertari

Erläuterungen zur Kartusche der Nefertari (von oben nach unten und von rechts nach links zu lesen):
1. Brotlaib (T; Konsonanten-Wiederholung zu 2); 2. Gänsegeier mit Flagellum (Ideogramm für die Göttin Mut; MUT); 1.+2.: graphische Umstellung (s. "Gottheiten 1", Osiris, Herr von Djedu). Der Name der Göttin wird respektvollerweise an den Anfang gesetzt.
3. Herz + Luftröhre (NFR, "nefer"); 5. (!) Brotlaib (T); 3.+5.: NFRT, "neferet" ("die Schöne").
4. Schilfblatt (I); 4.+5.: graphische Umstellung; 6. Mund (R); 7. zwei senkrechte (statt diagonale) Striche (langes I); 4.,6.+7.: IRI, "iri". Neferet-iri = "die Schöne ist gekommen".
8. Wasserlinie (N; "en" = "von"); 9. Kanal (MR; Abk. für MRI, "meri"); 10. Brotlaib (T); 9.+10.: MRIT, "merit" = "geliebt" ("merit" ist die weibliche Form zu "meri"; s. "Epitheta"); 8.-10.: graphische Umstellung.
Insgesamt zu lesen: "Neferet-iri, Merit-en-Mut" ("Nefertari, geliebt von Mut")

 

(6) Min

Der Fruchtbarkeits- und Vegetationsgott Min wird mumienförmig und ithyphallisch dargestellt (wie auch Amun in seinem "Min-Aspekt"). Zu seinen Attributen zählt u.a. auch ein Lattichbeet. Der Lattich ist mit dem Kult des Min verbunden: wegen der milchigen Flüssigkeit, die derjenigen des Samens gleicht, wird diese Pflanze als Aphrodisiakum angesehen.
Beiname des Min: "Stier seiner Mutter" (s. "Gottheiten 1": Amun).

Fruchtbarkeitsgott Min
(links: Bronzestatuette; rechts: Reliefbild)

 

(7) Month

Der falkenköpfige Gott Month (Mentju) wird ursprünglich in Hermonthis (äg. Junu-Mentju) und seit der 11. Dyn. in Theben (äg. Waset) verehrt. Er ist der Schutzherr des thebanischen Gaues. Die Könige der 11. Dyn. machen Month zum obersten Gott; vier Vertreter dieser Dynastie nennen sich "Mentuhotep" (eigentlich "Mentjuhetep" = "Month ist zufrieden").
Seine beiden Gefährtinnen sind Tjenenet und Rattaui (s.u. [16]), die auch mit dem thebanischen Gau verbunden sind.
Der Buchis-Stier von Hermonthis (s. "Gottheiten 2": Stier-Gottheiten) wird zum heiligen Tier des Month.
Auf dem Haupt trägt er ein Paar langer Federn auf einer Sonnenscheibe. Er hat ursprünglich den Charakter eines Kriegsgottes; später wird er mit dem Sonnengott zu "Month-Re" verbunden (wie Amun).

Goldstatuette des Month
(Quelle: http://www.isis.li)

 

(8) Nefertem

Der jugendliche Gott Nefertem (Gott des Wohlgeruchs), Sohn des Ptah und der Sachmet, trägt als Kopfschmuck eine Lotosblüte, zusätzlich manchmal auch zwei lange Federn. Ein Pyramidentext bezeichnet ihn als "Lotosblume an der Nase des Re". Sein Name bedeutet "Schön ist Atum (Item)".
Nefertem wird seit dem NR häufig mit dem Horusauge auf der Hand dargestellt: dies ist ein Symbol für die Opfergaben (Speise und Trank); von daher führt er den Beinamen "Herr der Speisen".
Nefertem trägt einen kurzen Schurz und kann auch ein Sichelschwert halten, was auf einen weiteren seiner Beinamen hindeutet: "chener-taui" ("Beschützer der Beiden Länder"). Vielleicht war er eine Schutzgottheit des vereinigten Ägypten.

Nefertem mit Lotosblüte als Kopfschmuck
(Grab des Haremhab)

 

(9) Neith

Die alte Stadtgöttin von Saïs (s. "Hauptstädte" Nr. 11; heute: Sa el-Hagar) ist eine Kriegsgöttin, deren Attribute Schild, Pfeil und Bogen sind. Als Totengöttin hält Neith zusammen mit den Göttinnen Isis, Nephthys und Serket (Selket) die Totenwache an Osiris´ Bahre.
Neith - eigentlich Ne-ith - ist die griechische Bezeichnung; ihr ägyptischer Name lautet "Net" oder "Nit".
Dargestellt wird sie mit der uä. Roten Krone. Im AR gilt sie als Mutter des Krokodilgottes Sobek. Als Erfinderin des Webens und Schutzherrin der Weberei wird Neith mit den Mumienbinden in Verbindung gebracht, die dem Toten göttlichen Schutz gewähren sollen.

Neith mit ihrem Symbol auf dem Haupt
(Grab der Nefertari)

 

(10) Ptah

Die "Reichs-Triade" des Neuen Reiches besteht aus Amun, Re und Ptah, dem Stadtgott von Memphis; die "Triade von Memphis" aus dem Götterpaar Ptah und Sachmet sowie deren Sohn Nefertem. Die Götterlehre von Memphis sieht in Ptah den Schöpfergott (wie Chnum, der "belebende Bildner" [s. "Ka, Ba + Ach"]), der durch Herz und Zunge (Gedanken und Sprechen) die Welt erschaffen habe - gleich dem Gott der Bibel (AT): "...und Gott sprach: Es werde..."!
Als Erfinder der Künste gilt Ptah auch als Schutzgottheit der Handwerker und Künstler. Die Griechen vergleichen ihn mit ihrem Schmiedegott Hephaistos. In Verbindung mit den Totengöttern Sokar und Osiris wird er zu Ptah-Sokar-Osiris.
Ptah wird mumienförmig in Menschengestalt (meist mit grüner Hautfarbe) dargestellt, mit enganliegender blauer Kappe auf dem Haupt und dem Was-Zepter in den Händen (oder einer Kombination aus Djed-Pfeiler, Anch-Zeichen und Was-Zepter).

Göttertriade von Memphis: Ptah, Sachmet und Nefertem
("Gr. Papyrus Harris"; um 1150) (Quelle: "Tour Egypt")

 

(11) Sachmet

Die "Triade von Memphis" besteht aus Ptah, Sachmet und deren Sohn Nefertem. Sachmet wird (meist) menschengestaltig mit Löwenkopf dargestellt. Ihr Name bedeutet "die Mächtige" (wie Wosret = Us(e)ret), was auf ihr Wesen als Kriegsgöttin hinweist. Die thebanische Göttin Mut verschmilzt mit dem Aufstieg Thebens zur Residenz mit Sachmet zur löwenköpfigen Mut-Sachmet.
Sachmet (mit dem Beinamen "Zauberreiche"; s. "Gottheiten 1": Isis) ist auch für die Heilkunde zuständig.

 

(12) Ihi

Die "Triade von Dendera" (ägypt. Junet, grch. Tentyris) besteht aus Hathor, Horus von Edfu (Horus Behedeti), als dessen Gattin Hathor gilt, sowie deren Sohn Ihi, dem jugendlichen Musikgott. Als kindlicher Gott wird Ihi nackt, mit Lutschfinger und Jugendlocke dargestellt. Sein Name bedeutet "der Musikant".
Auf den Friesen im Geburtstempel (Mammisi) in Dendera ist die Götter-Triade mehrmals abgebildet (aus römischer Zeit; mit Kaiser Trajan als Pharao). Der Begriff "Mammisi" ("Geburtshaus") stammt aus dem Koptischen und ist die Bezeichnung für kleine Tempel, in denen die Geburt des göttlichen Kindes gefeiert wird, das zur örtlichen Triade gehört.

Relief vom Hathor-Tempel in Dendera (Ausschnitt):
in der Mitte die Göttin Hathor beim Stillen ihres Sohnes Ihi; links der ältere Ihi;
rechts Kaiser Trajan beim Überreichen von zwei Sistren an Hathor und Ihi
(beide gelten als Schutzgottheiten der Musik)
(Quelle: http://www.biologie.uni-hamburg.de/b-online/afrika/aegypten/dendera_reliefs.htm)

 

(13) Sched

Sched ("der Retter") ist eine weniger bekannte Gottheit. Er ist - wie Serket - mit dem Skorpion verbunden; er soll vor Skorpion-Stichen schützen. Sched ist beim Volk sehr beliebt. Er wird manchmal auch nackt dargestellt wie der junge Horus, der in Zaubertexten auch als Horus-Sched bezeichnet wird.
Der Gott Sched, kraftvoll und jugendlich (aus der Amarna-Zeit stammend), ist ein Retter und Helfer in Notsituationen, häufig identifiziert mit dem jungen, kämpferischen Horus (daher "Horus-Sched").

Der junge Retter-Gott Sched (Pektoral; 18./19. Dyn.)
(Römer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim)
(Quelle: "Tour Egypt")

Das Amulett zeigt den jungen Sched, auf einem Krokodil stehend, in den Händen Schlangen und wilde Tiere haltend (wie "Horus das Kind" auf der Horus-Stele; s. "Gottheiten 1": Horus).

 

(14) Heka

Die "Triade von Esna" (ägypt. Junit, grch. Latopolis) besteht aus dem Schöpfergott Chnum, der löwengestaltigen Menhit sowie deren Sohn Heka (grch. Hike; die personifizierte Zauberkraft oder Magie). Die alten Ägypter glauben an eine geheimnisvolle Kraft, die sie "Heka" nennen; Magie und Religion schließen sich gemäß ihren Glaubensvorstellungen nicht gegenseitig aus!
Heka wird in Menschengestalt dargestellt, auf dem Haupt das Hieroglyphen-Zeichen "Hinterteil eines Löwen" ("peh[e]ti" = Kraft, Macht), in der linken Hand das Was-Zepter, in der rechten das Lebenszeichen. Er ist einer der Begleiter des Sonnengottes während dessen Nachtfahrt durch die Unterwelt (s. "Gottheiten 4": [37] Hu + Sia).

 

(15) Thoëris

Die Göttin TAWERET ("die Große"; grch. Thoëris) ist ein Mischwesen aus trächtigem Nilpferd mit Krokodilrücken und -schwanz, Löwenfüßen und Menschenarmen. Sie ist die Schutzgöttin der Gebärenden; ihre Hauptfunktion ist der Schutz von Mutter und Kind.
Ihr Kopfschmuck besteht aus einer zylindrischen Kopfbedeckung, meist mit Kuhgehörn und Sonnenscheibe (wie bei Hathor); häufig hält sie eine große Sa-Schleife (Schutzsymbol; s. "Symbole") in den Händen. Die äußerst populäre Taweret ziert häufig Amulette, Kopfstützen und Betten.

Taweret stützt sich mit der linken Hand und dem Anch-Zeichen
auf das Schutz-Symbol Sa-Schleife; in ihrer rechten hält sie eine
Fackel zum Bannen gefährlicher Dämonen (Papyrus des Ani)

 

Taweret auf dem Relief der Außenmauer des Tempels von Dendera
(die Göttin befindet sich aufrecht stehend hinter dem Horus-Falken)
(Quelle: http://perso.club-internet.fr/kemit/dieuxegypte/pagesdieux/thoueris.htm)

 

(16) Rattaui

Die "Triade von Medamud" (äg. Madu) besteht aus Month, Rattaui sowie dem (ihnen zugeordneten) Sohn Harpokrates ("Horus das Kind", äg. "Hor-pa-chered"; s. "Gottheiten 1": Horus). Rat-taui ("Sonne der Beiden Länder") ist seit dem Neuen Reich (NR) das weibliche Pendant zum Sonnengott Ra.
Madu ist der nördliche Teil von Theben; dort befindet sich der Tempel des Falkengottes Month (Mentju; s.o. [7]) aus dem MR, der dieser örtlichen Triade geweiht ist.

 

(17) Miysis

Dieser Löwengott gilt als Sohn der Bastet (auch die Löwengöttin Sachmet wird manchmal als dessen Mutter angesehen, während als Vater in beiden Fällen der Gott Ptah fungiert). Auf Papyri des späten NR wird sein Name erwähnt. Sein äg. Name lautet "Mahes"; die Griechen nennen ihn "Miysis", "Mysis" oder "Mihos". Er stammt aus Leontopolis ("Löwenstadt"; äg. Taremu; heute: Tell el-Muqdam; Ostdelta-Gebiet, UÄ).
Gewöhnlich wird Mahes in löwenköpfiger Menschengestalt abgebildet, mit einem Messer oder Schwert in der Hand (sein Beiname lautet: "Herr des Gemetzels"). Sein Kopfschmuck kann die Atef-Krone oder auch die Sonnenscheibe mit Uraeus sein.

Statue des löwenköpfigen Mahes
(Quelle: "Tour Egypt")

 

(18) Bes

Der zwergengestaltige Gott Bes sieht zwar grotesk aus, ist aber von freundlicher Natur. Er fungiert als Schutzgott (s. "Symbole", Sa-Schleife), der das Böse abwehrt, und - wie Taweret - als Beschützer von Mutter und Kind.
Dargestellt wird er als bärtiger Zwerg mit heraushängender Zunge, krummen Beinen und einem langen Leopardenschwanz. Bes ist auch ein Gott des Tanzes und des Frohsinns.
Seine wichtigsten Attribute sind die Sa-Schleife (Schutzsymbol), Messer (Abwehrmittel) und Musikinstrumente (zum Verscheuchen böser Geister). Er ziert Kopfstützen und Betten (wie Taweret; s.o. [15]) sowie Spiegel und Schminkgefäße (zur Abwehr des "bösen Blicks"). Besonders häufig wird Bes in den Mammisi ("Geburtshäusern") dargestellt, wie z.B. im Mammisi des Hathor-Tempels von Dendera (s.o. [12] Ihi).

Der messerschwingende Gott Bes
(Quelle: "Tour Egypt")

 

(19) Meretseger

Die thebanische Schlangengöttin Meretseger (Meresger) wird hauptsächlich im NR kultisch verehrt. Ihr Name bedeutet "die das Schweigen liebt". Sie soll auf dem Berg wohnen (der auch nach ihr benannt ist), der das Tal der Könige überblickt. Daher wird sie auch "Bergspitze des Westens" (äg. "dehenet-imen[t]et") genannt.
Besondere Verehrung wird ihr von den Arbeitern der Handwerker-Siedlung Deir el-Medineh entgegengebracht, die ihr viele Stelen weihen.
Meretseger wird in schlangenköpfiger Menschengestalt oder als aufgerollte Schlange (Kobra) dargestellt.

Stele mit Taweret (Thoëris) und Meretseger (in schlangenköpfiger
Menschengestalt); beide tragen den Kopfschmuck der Hathor
(Kuhgehörn mit Sonnenscheibe) (Quelle: "Tour Egypt")

 

(20) Schai

Im Totenbuch-Papyrus des kgl. Schreibers Ani (s. "Totentexte") erscheint der Gott Schai (grch. Psois) bei der "Wägung des Herzens" als einer der 42 Richter-Gottheiten beim Tribunal des Osiris in der "Halle der beiden Gerechtigkeiten" (s. "Totengericht + Totenopfer"). Schai ist der Gott des Schicksals und der zugemessenen Lebenszeit. In Inschriften aus der Regierungszeit Echnatons (18. Dyn.) wird der König oder der Gott Aton beschrieben als "der Schai, der Leben gibt" (Strahlen der Aton-Sonnenscheibe enden in Händen, die das Lebenszeichen Anch halten).
Schai ist auch eine Erscheinungsform des Re.
In der Ptolemäer-Zeit verschmilzt er mit dem schlangengestaltigen grch. Orakelgott Agathodaimon (Agathos Daimon; "gute Gottheit") von Alexandria.

Schai (Papyrus des Ani)

 

(21) Hatmehit

Die Fischgöttin des Deltas und Gaugöttin des 16. uä. Gaues, Hatmehit, wird in Mendes (äg. Per-Banebdjedet = "Haus des Ba des Herrn von Djedet") verehrt. Mendes ist die Hauptstadt dieses Gaues und Hauptkultort der Göttin. Ab der 2. Dynastie wird sie durch den Widdergott Banebdjedet ("Ba des Herrn von Djedet"), der zu ihrem Gefährten (Gemahl) wird, verdrängt.
Die Göttin Hatmehit wird entweder als Nilkarpfen oder in Menschengestalt mit einem Fisch-Emblem auf dem Haupt dargestellt. Ihr Name bedeutet "die an der Spitze ("hat") der Schwimmenden (Fische; "mehit") ist" oder einfach "Erste der Fische".

 

(22) Anuket

Die Göttin Anuket (äg. Anket; grch. Anukis) wird hauptsächlich in der Region des 1. Nil-Kataraktes (bei Assuan) verehrt. Sie gilt als Göttin der Nilquellen (Katarakte) und Schützerin von S-Ägypten (Grenzgebiet zu Nubien). Dargestellt wird sie mit Papyrus-Zepter und hoher Federkrone.
Im NR bildet Anuket mit der Göttin Satet (Setjet, Setjit; grch. Satis) und dem Schöpfergott Chnum die Triade von Elephantine. Satet gilt als Gemahlin des Chnum, Anuket als deren Tochter. Anuket wird auch als Tochter des Re bezeichnet. Die Gazelle ist das heilige Tier der Anuket. Auf der Nil-Insel Sehel wird ihr ein Tempel geweiht.
In dem Tempel Ramses´II. von Beit el-Wali (Nubien) wird sie dargestellt, wie sie den Pharao säugt (wie Hathor).

Anuket säugt Ramses II.
(Relief aus dem Tempel von Beit el-Wali)
(Quelle: http://www.isis.li; Bauwerke)

 

Relief-Darstellung der Anuket (Tempel von Dakka)
(Quelle: http://www.bubastis.be/religion/religioa.html)

 

(23) Sobek

Der Krokodilgott Sobek (äg. Sebek; grch. Suchos) wird entweder als Krokodil (oft auf einem Schrein) oder in Menschengestalt mit Krokodilskopf dargestellt. Auf dem Haupt trägt er ein gedrehtes Gehörn mit Sonnenscheibe und hoher Doppelfeder. In Kom Ombo, seinem Hauptkultort in OÄ, teilt er sich den dortigen von den Ptolemäern errichteten Doppeltempel mit Haroëris (s. "Gottheiten 1": Horus). Ein weiterer wichtiger Kultort ist die Stadt Schedet (grch. Krokodilopolis) im Fayum.
Im MR wird Sobek zu Sobek-Re; in der Ptolemäer-Zeit wird er wegen der engen Verbindung zum Sonnengott mit dem grch. Gott Helios gleichgesetzt.
In der 12. + 13. Dyn. führen mehrere Pharaonen den Gott Sobek in ihrem Namen; z.B. die Pharaonin Nofrusobek (12. Dyn.; s. "Pharaoninnen") und 9 Pharaonen mit dem Namen Sobekhotep (2. Zwischenzeit, 13. Dyn.).

Sobek mit Kopfschmuck
(gedrehtes Gehörn, Sonnenscheibe und Doppelfeder)
(Quelle: "Tour Egypt")

 

(24) Cheribakef

In der Wüstenregion um Memphis wird diese Gottheit verehrt. Sein Name bedeutet: "Der unter seinem Ölbaum ist".
Cheribakef verschmilzt schon im Alten Reich (AR) mit dem Gott Ptah.



 

Erklärungen + Erläuterungen (Hieroglyphen):

(1) (1. Variante): 1. Ölkrug (BAS); 2.+3. zweimal Brotlaib (TT; "tet"); 4. Det. (Göttin).

(1) (2. Variante): 1. gefaltetes Tuch (stimmloses S); 2. Jabiru, Storch (BA); 1.+2.: graphische Umstellung (s. "Gottheiten 1", Osiris, "Herr von Djedu"); zu lesen wie 2.+1. (BAS); 3. Ölkrug (BAS; phonetisches Determinativ); 4.+5. zweimal Brotlaib (TT; "tet").

(2) 1. Plazenta ? (CH; "ch" wie in "Buch"); 2. Wasserlinie (N); 1.+2.: CHN, "chen"; 3. Binse (SU); 4. Wachtelküken (W = U; Konsonanten-Wiederholung zu 3); 5. Det. (Gott). Eigentlich: CHENSU.

(3) 1./2. Kombination aus Hausgrundriß (HWT = HUT) + Horusfalke (HR, HOR); 3. Det. (Göttin Hathor). Eigentlich: HUT-HOR (grch. Hathor).

(4) 1. Gesicht (HR); 2. Mund (R; Konsonanten-Wiederholung zu 1); 3. Himmel (HRI, "heri"; HR: Konsonanten-Wiederholungen zu 1+2); 4. Teich (SCH); 5. Hornviper (F, "ef"); 7. Det. (Widdergott Herischef).

(5) 1. Kombination aus Sichel (MA) + Statuenbasis (MAA; Konsonanten-Wiederholungen); 2. Unterarm (A; Konsonanten-Wiederholung zu 1); 3. Brotlaib (T); 4. Det. (Göttin Maat).

(6) (1. Variante): 1. Emblem des Gottes Min; 2. Standarte (Begleit-Ideogramm zu 1.); 3. Det. (Gott Min).

(6) (2. Variante): 1. Brettspiel (MN; "men"); 2. Wasserlinie (N; Konsonanten-Wiederholung zu 1); 3. Wachtelküken (W = U); 4. Horusfalke auf Standarte (Det. für verschiedene Götter). Eigentlich: MENU (grch. Min).

 

(7) 1. Brettspiel (MN; "men"); 2. Wasserlinie (N; Konsonanten-Wiederholung zu 1); 3. Tierfessel (TJ); 4. Wachtelküken (W = U); 5. Det. (Gott Month). Eigentlich: MENTJU ("Mentschu").

(8) 1. Herz + Luftröhre (NFR; "nefer"); 2. Hornviper (F); 3. Mund (R); 2.+3.: Konsonanten-Wiederholungen zu 1; 4. Brotlaib (T); 5. Schlitten (TM; T: Konsonanten-Wiederholung zu 4); 6. Eule (M; Konsonanten-Wiederholung zu 5); 7. Det. (Gott); 1.-6.: "nfrtm" (NEFERTEM)

(9) 1. Wasserlinie (N); 2. Brotlaib (T); 3. Emblem der Göttin Neith; 4. Det. (Göttin). Eigentlich: NET od. NIT (grch. Neith; gesprochen: Ne-ith).

(10) 1. Hocker (P); 2. Brotlaib (T); 3. gedrehter Docht (emphat. H); 4. Det. (Gott Ptah). Eigentlich: P(E)TEH.

(11) 1. Sechem-Zepter (SCHM, "sechem"; "ch" wie in "Buch"); 2. Plazenta ? (CH; "ch" wie in "Buch"; Konsonanten-Wiederholung zu 1); 3. Brotlaib (T); 4. Det. (Göttin).
Eigentlich: SECH(E)MET (grch. Sachmis).

(12) 1. Schilfblatt (I); 2. gedrehter Docht (emphat. H); 3.+4. zweimal Schilfblatt (langes I, Y); 5. Det. (Kind, göttliches Kind).

 

(13) 1. Wasserschlauch (SCHD; "sched"); 2. Hand (D; Konsonanten-Wiederholung zu 1); 3. Det. (Gott).

(14) 1. gedrehter Docht (emphat. H); 2. ein Paar erhobener Arme (KA); 1.+2.: "hka" (HEKA); 3. Det. (Gott).

(15) 1. Brotlaib (T); 2. äg. Geier (A); 3. Schwalbe (WR; "wer"); 4. Mund (R; Konsonanten-Wiederholung zu 3); 5. wie 1; 1.-5.: "tawr(r)t" (TAWERET).

(16) 1. Mund (R); 2. Unterarm (A); 3. Sonnenscheibe + Determinativ-Strich ("Sonne"); 4.+5. zweimal das Zeichen für "Land" (TA; hier: Dual von "ta", also "taui"; s. auch "Tameri"); 6.+7. zweimal das Zeichen für "bewässertes Land" (Determinativ). Das Endungs-T beim weiblichen Pendant zum Sonnengott RA - "RAT"- wird also nicht mitgeschrieben, aber mitgesprochen.
Zu lesen: RAT-TAUI ("Sonne der Beiden Länder")

(17) 1. Sichel (MA); 2. äg. Geier (A; Konsonanten-Wiederholung zu 1); 3. gedrehter Docht (emphatisches H); 4. Wasserkrug (HS, "hes"; H: Konsonanten-Wiederholung zu 3); 5. gefaltetes Tuch (stimmloses S; Konsonanten-Wiederholung zu 4); 6. geschminktes Auge (Determinativ für "Wachsamkeit", eine der Eigenschaften dieses Gottes).

Anm.: Die Hieroglyphen-Schreibweise von "Mahes" stammt aus dem Internet ("Tour Egypt"); im "Hannig-Lexikon" ist dieser Gott n i c h t aufgeführt.

(18) 1. Fuß (B); 2. Jabiru, Storch (eigentlich BA, hier: B); 3. äg. Geier (eigentlich A, hier: nicht mitgesprochen); 4. Rückenwirbel (?) + Determinativ-Strich (eigentlich SA, hier: S). Das sog. "group-writing" (s. Gardiner § 60) ist eine eigenartige Methode Hieroglyphen zu schreiben, indem nämlich Zweikonsonantenzeichen (ZKZ; Biliterale) statt Einkonsonantenzeichen (EKZ; alphabetische Zeichen) verwendet werden; d.h. im Falle von "Bes": die 2. Hieroglyphe (Storch) hat den Lautwert "BA" (ZKZ), wird aber nur als "B" (EKZ) gelesen, wobei es sich um eine Konsonanten-Wiederholung zu 1. handelt; die 3. (äg. Geier) hat den Lautwert "A" (als Konsonanten-Wiederholung zu 2.), wird aber nicht mitgesprochen (wie das "A" von "BA"); die 4. (Rückenwirbel?) hat den Lautwert "SA", wird aber nur als "S" gelesen (inkl. Determinativ-Strich); 1.-4.: BS, "bes".
Zu lesen also: BES

 

(19) 1. Hacke (MR); 2. Mund (R; Konsonanten-Wiederholung zu 1); 3. Brotlaib (T); 1.-3.: MRT, "meret" = "sie liebt"; 4. gefaltetes Tuch (stimmloses S); 5. Krugständer (G); 6. wie 2.; 5.-6.: GR; "ger" = "Schweigen, Stille"; 4.-6.: SGR; "se-ger" = "Ort des Schweigens"; 7. sitzender Mann mit Hand zum Mund (Determinativ für "denken", "schweigen"); 8. Kobra (Determinativ für "Schlangengöttin").
Zu lesen: MERETSEGER. Die 3. Hieroglyphe (Brotlaib) wird häufig nicht mitgeschrieben; dann wird statt der (4.) Hieroglyphe "gefaltetes Tuch" (stimmloses S) die Hieroglyphe "Türriegel" (stimmhaftes S) geschrieben; von daher stammt die Lesung "Meresger" (man könnte auch "Mer-seger" lesen).

(20) 1. Teich mit Lotosblumen (SCHA); 2. äg. Geier (A; Konsonanten-Wiederholung zu 1); 3.+4. zweimal Schilfblatt (langes I; Y).

(21) Nilkarpfen (Lepidotus) auf einer Gau-Standarte (Determinativ für die Fisch-Göttin Hatmehit).

(22) 1. Unterarm (A); 2. Wasserlinie (N); 3. Hügelabhang (gutturales K; Q); 4. Brotlaib (T); 1.-4.: ANKT; "an(e)ket".
Zu lesen: ANUKET; eigentlich: AN(E)KET.

(23) 1. gefaltetes Tuch (stimmloses S); 2. Fuß (B); 3. Korb mit Griff (K); 1.-3.: SBK, "sebek"; 4. Krokodil auf Schrein (Ideogramm/Determinativ für den Gott Sobek).
Zu lesen: SOBEK (eigentlich: SEBEK).

(24) 1. Schlachtklotz (CHR(I), "cher(i)" = "unter"; "ch" wie in "ich"); 2. Jabiru, Storch (BA); 3. Baum (Determinativ); 4. Hügelabhang (gutturales K; Q); 2.-4.: BAK = Ölbaum, Moringabaum (aus dessen Nüssen das Behenöl gewonnen wird); 5. Hornviper (F, "ef"); 2.-5.: BAKF, "bakef" = sein Ölbaum.

 

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