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Themen: (1) Rechmire |
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(1) RECHMIRE
Hieroglyphen: 1. Sonnensymbol (Sonnengott RA/RE; vorangestellt);
2. Mund (R); 3. Plazenta ? (CH; "ch" wie in "Buch");
4. versiegelte Papyrusrolle (Determinativ für abstrakte Begriffe);
2.+3.: RCH, "rech" = "(all)wissend"; 5. Milchkrug
im Netz mit Tragschlaufe (MI; "mi" = "wie"); 6.
Schilfblatt (I; Konsonanten-Wiederholung zu 5).
Rechmire ("allwissend wie Re") ist bekannt als
Wesir Thutmosis´III. (18. Dyn.) und Amenhoteps II., unter dem
er in Ungnade fiel.
Warenlieferung (Teilansicht) In einem Text aus seinem Grab heißt es: "Es gibt nichts, was ihm unbekannt ist, im Himmel, auf Erden oder in der Unterwelt". Daher sein Name ("Titel") ?
(2) RECHIT
Die "Rechit" im engeren Sinne sind das sog. "Kiebitzvolk", d.h. das besiegte uä. Volk der Reichseinigungszeit, im weiteren Sinne die "Untertanen", "Hörigen", auch "meuterndes Volk".
Hieroglyphen: 1. Mund (R, "re"); 2. Plazenta
? (CH; "ch" wie in "Buch"); 3.+4. zweimal Schilfblatt
(langes I; Y); 5. Brotlaib (T); 6. Kiebitz mit schlagenden Flügeln
(RCHIT, "rechit"; phonetisches Determinativ für "Untertanen",
"unterworfenes Volk"); 7.+8. sitzender Mann und sitzende Frau
+ 3 Plural-Striche (Determinativ für "Volk", "Menschen",
"Leute").
Der Rechit-Vogel (Kiebitz) ist das Symbol für "unterworfenes
Volk". Auf dem Relief einer Säule des Doppeltempels von Kom
Ombo (s. folgende Abb.) wird er dargestellt mit einem Paar menschlicher
Arme, die er im traditionellen Anbetungsgestus erhoben hält; er
hockt auf der "Korb"-Hieroglyphe ("neb"; hier: alle),
vor ihm die "Stern"-Hieroglyphe ("dua" = anbeten,
preisen).
Relief eines Rechit-Vogels von der Säule des Tempels
von Kom Ombo
Relief eines Rechit-Vogels von einer Säule des
Chnum-Tempels in Esna
Relief-Fries von Rechit-Vögeln ("Rote Kapelle"
der Hatschepsut Der Außenhof einer Tempelanlage konnte zu besonderen
Anlässen vom gemeinen Volk betreten werden. Oft waren Rechit-Vögel
(Symbol auch für das "ägyptische Volk" an sich)
an Säulen oder Mauern des Hofes eingemeißelt, die anzeigten,
wo die zugelassenen einfachen Leute bei Prozessionen stehen sollten.
(3) "WEIß"HEITEN
"Weiß" ist das Merkmal für geweihte Dinge; "weiß" ist die "Farbe" des Heiligen und Reinen. Aber auch ganz Profanes kommt manchmal in den Genuß der "Weißheit"! (1) "Weiße Keule" (2) "Weiße Mauer" (3) "Weißes Haus"
Erläuterungen (Hieroglyphen): "Weißes Haus": 1. Haus (PR, "per"); 2. Keule (HDJ, "hedj" = weiß); 3. Haus (hier: Determinativ für "Gebäude"). Zu lesen: PER-HEDJ "Weiße Sandalen": 1. Keule (HDJ, "hedj"); 2. Brotlaib (T); 1.+2.: HDJT, "hedjet"; 3. zwei Diagonalstriche (langes I, Y); 4.+5. ein Paar Sandalen (Ideogramm oder Determinativ). Zu lesen: HEDJETI [Dual-Form] "Weiße Krone": 1. Keule (HDJ, "hedj"); 2. Brotlaib (T); 1.+2.: HDJT, "hedjet"; 3. weiße Krone von OÄ (Ideogramm oder Determinativ). Zu lesen: HEDJET ("die Weiße")
(4) "Weiße Sandalen" (5) "Weiße Kapelle" (6) "Weiße Salbe" (7) "Weißer Geier" (8) "Weiße Krone" (9) "Weißer Mensch"
(4) MEDIZIN
Mehrere medizinische Papyri sind erhalten geblieben. Sie befassen sich z.T. mit Untersuchungsmethode, Diagnose und Therapie diverser Krankheiten. Einige enthalten auch Rezepte mit den Rezeptur-Bestandteilen, die aus pflanzlichen, tierischen und mineralischen Stoffen bestehen können. Andere wiederum wenden sich Spezialgebieten zu wie der inneren Medizin, Chirurgie, Gynäkologie und auch der Tierheilkunde. Aus dem medizinischen "Papyrus Ebers" geht hervor, daß es 3 Arten von Ärzten gegeben hat: die "sunu" (Ärzte), die auf empirischer Basis (d.h. aufgrund von Erfahrung, Beobachtung und Experiment) praktizieren; die "wabu" (Priester) der Göttin Sachmet, der "Zauberreichen" und "Heilkundigen", die Rezepturen magisch-religiösen Charakters anwenden; und schließlich die anderen Heilkundigen ("sau") wie sonstige Ärzte, Heiler und "Zauberer", die z.T. mit magischen Praktiken arbeiten. Auf einem Relief aus dem Doppelheiligtum von Kom Ombo sind chirurgische Instrumente sowie sonstige ärztliche Utensilien zu sehen, außerdem Rezepturen und deren Ingredienzien mit Mengenangabe. Dieses Votivrelief wurde von Kaiser Trajan (98-117 n.Chr.) gestiftet. Von dem griechischen Arzt Hippokrates (ca. 460 - ca. 377 v.Chr.) ist überliefert, daß er im Tempel des Imhotep (grch. Imuthes) in Memphis studiert habe. Anm.: Der "Eid des Hippokrates" verpflichtet die Ärzte seit der Antike u.a. zur bedingungslosen Erhaltung des menschlichen Lebens. Sein sittlicher Gehalt gilt auch heute noch als Grundlage der ärztlichen Berufsethik; allerdings gibt es keine offizielle Vereidigung der Ärzte auf dessen Wortlaut. Da aber der "hippokratische Eid" jede Art der Abtreibung verbietet, wird auf den "Eid des Maimonides" (1135 - 1204) ausgewichen, der die Abtreibung nicht ausdrücklich verbietet.
Relief aus dem Tempel von Kom Ombo: Arsenal chirurgischer Instrumente
(links);
(5) OHRENSTELE
Die sog. Ohrenstelen (Stelen mit "hörendem Ohr") sollen den angerufenen Gott veranlassen, die Bitten und Gebete des Anrufenden zu (er)hören. Zu diesem Zweck gibt es auch Schreine in größeren Tempelkomplexen, in denen die einfachen Leute die Gottheit direkt um Hilfe und sonstige Wohltaten bitten können (wie z.B. im öffentlichen Schrein des Amun-Tempels in Karnak). Diese Örtlichkeiten werden als "Schreine des hörenden Ohres" bezeichnet.
Holzstele des Bai (19./20. Dyn.) Bai (der Stifter dieser Stele), ein Arbeiter aus der Handwerkersiedlung Deir el-Medineh, dem "Ort der Wahrheit", ist hier kniend vor 3 verschiedenfarbigen Ohrenpaaren dargestellt; diese sollen seine Bitten dem Gott Amun zu Gehör bringen, der oben zweimal in Widdergestalt ("Amun-Re, der gute Widder") abgebildet ist. Die 3 Ohrenpaare sind in den Farben dunkelblau, gelb und hellgrün dargestellt (auf der Abb. nicht so gut zu erkennen). Die 3 Farben kennzeichnen die unterschiedlichen Aspekte des Amun-Re: indem er nämlich mit der Luft (blau), der Sonne (gelb) und der Erde (grün) in Beziehung gesetzt wird, ist damit seine Universalität ausgedrückt.
(6) OMBOS + KOM OMBO
Anmerkungen zu den Ortsbezeichnungen "Ombos" und "Kom Ombo":
Erläuterungen (Hieroglyphen): (1) 1. Perlenkollier (Zeichen für "Gold"
= NEB[U,I]); 2. Brotlaib (T); 3. Wachtelküken (W = U); 2.+3.:
graphische Umstellung (aus ästhetischen Gründen; s. "Gottheiten
1", Osiris, Herr von Djedu); zu lesen in der Reihenfolge 1-3-2;
4. Determinativ (Ort). (2) 1. s. (1); 2. Fuß (B; Konsonanten-Wiederholung
zu 1); 3.+4. zweimal Schilfblatt (langes I, Y); 5. Brotlaib (T); 6.
s. (1).
Der antike Ort Ombos (grch. Bezeichnung für äg. "Nebut") war dem Gott Seth geweiht (s. "Gottheiten 2"). Zunächst glaubte man, daß "Ombos" mit dem heutigen "Kom Ombo" (nördlich von Assuan) identisch sei. Durch die Ausgrabungen von Flinders Petrie (Ende 19.Jh.) stellte sich heraus, daß das antike Ombos auf dem linken (westlichen) Nilufer, nahe dem heutigen Qus, südlich von Dendera, zu lokalisieren ist, da man dort die Fundamente des Seth-Tempels (NR) entdeckte (gemäß "Lexikon des alten Ägypten" von Guy Rachet). Das heutige Kom Ombo (äg. "Nebit") liegt auf dem rechten (östlichen) Nilufer, nördlich von Assuan. Dieser Ort ist berühmt für seinen den beiden Göttern Sobek und Horus (Haroëris) geweihten Doppeltempel (s. "Gottheiten 1": Horus). Gemäß "Reclams Lexikon des Alten Ägypten" soll die griechische Bezeichnung für diesen Ort "Ombos" lauten. Unter dem Stichwort "Kom Ombo" (im o.g. Lexikon von Guy Rachet) steht u.a.: "Erst mit der Entwicklung der Landwirtschaft und der Urbarmachung von den umliegenden Ländereien unter den Ptolemäern gewann die Siedlung unter dem griechischen Namen Ombos an Bedeutung." In demselben Lexikon (Stichwort "Ombos") ist
folgende Feststellung getroffen: "Diese Stadt (die nicht mit
Kom Ombo zu verwechseln ist) wurde von den Ägyptern Nebut genannt
(Ombos ist ihr griechischer Name) und war dem Gott Seth geweiht." Nachtrag: Gemäß "Lexikon der ägypt.
Religionsgeschichte" von Hans Bonnet (s. Literaturliste unter
"Hieroglyphen") gab es 2 Orte mit dem Namen "Ombos":
(7) WEIN + BIER
Von den Festen zu Ehren der Göttin Hathor ist das beliebteste das "Fest der Trunkenheit", das in Dendera, dem Hauptkultort der Göttin, gefeiert wird. Die Göttin führt u.a. auch den Beinamen "Herrin der Trunkenheit".
Erläuterungen (Hieroglyphen): (1) 1. Schilfblatt (I); 2. Mund (R); 3. Hocker (P); 1.-3.: IRP; "irep"; 4. doppeltes Weingefäß (Determinativ für Wein). Zu lesen: IREP (2) 1. gedrehter Docht (emphat. H); an 2. Stelle hätte die Hieroglyphe für "N" (Wasserlinie) folgen müssen: wahrscheinlich aus kalligraphischen Gründen wird "N" nicht mitgeschrieben, aber mitgesprochen [ein weiteres Beispiel: s. "remetj" = Menschen unter "Hieroglyphen"]; 2. Hügelabhang (gutturales K; Q); 3. Brotlaib (T); 1.-3.: H(N)KT; "henket"; 4. Bierkrug (Det. für Bier). Zu lesen: HENKET (HENQET) (3) 1. Korb (NB, "neb"); 2. Brotlaib (T);
1.-2.: NBT, "nebet" = Herrin; 3. wie 2. (T); 4. Plazenta
? (CH; "ch" wie in "Buch"); 5. wie 3. (T); 3.-5.:
TCHT, "techet" = Trunkenheit; 6. Bierkrug (Determinativ).
Zu lesen: NEBET-TECHET (Beiname der Hathor)
Beim "Schönen Fest vom Wüstental" in Theben, bei dem Statuen der thebanischen Göttertriade in einer Prozession von Karnak (Ostseite des Nils) nach Deir el-Bahari (Westufer) gebracht werden, finden auch Festgelage an den Gräbern der Ahnen statt, bei denen reichlich getrunken wird. Durch den Rauschzustand hofft man mit den Verstorbenen in Kontakt zu kommen. Auch im Anschluß an Begräbnisse wird Wein getrunken.
Grab des Sennefer: Deckengemälde (Weinlaube)
Wein ("irep") gilt als typische Opfergabe
an die Götter. Aber auch bei festlichen Anlässen wird er
von den Wohlhabenden gern genossen. Es gibt Rot- und Weißwein;
auf den Krugverschlüssen wird Jahrgang, Lage, Weingut und der
Name des Besitzers des Guts vermerkt (wie das auch heute noch auf
den Weinflaschen der Fall ist).
Grab des Nacht: Traubenernte + Weinherstellung Bier ("henket") ist wie Brot ein Grundnahrungsmittel für die einfachere Bevölkerung. Beides wird aus Getreide hergestellt. In Grabmalereien werden die Nahrungsmittel, die der Verstorbene für das jenseitige Leben benötigt, genannt oder aufgemalt ("Brot und Bier"; s. "Ka, Ba + Ach", Totenopfer). Der Bierkonsum im alten Ägypten ist beträchtlich! Es gibt sogar eine "Göttin des Bieres" (Tenemit)!
(8) NARMER
Narmer (um 3000; Manetho: Menes ?) gilt als Reichseiniger. Seine Vorgänger, die sog. Dynastie "0" (Null), hatten auch schon versucht, Ober- und Unterägypten zu vereinigen (wie z.B. König "Skorpion"). Belege für die Reichseinigung sind die Prunkpalette (Schminkpalette) des Narmer sowie Keulenköpfe von Zeremonialwaffen. Die Palette und der Keulenkopf des Narmer wurden im Horus-Tempel von Hierakonpolis (äg. Nechen) gefunden (Stiftungen des Königs an den Tempel). Auch König "Skorpion" hatte einen Keulenkopf gestiftet.
Keulenkopf des Narmer (Teilansicht) Auf dem Keulenkopf des Narmer ist der König abgebildet
(in einem Baldachin im Zeremonialgewand sitzend auf dem Thron der
beiden Länder mit der uä. roten Krone auf dem Haupt) sowie
eine Szene des Sedfestes (Regierungsjubiläum) des Königs
(3 Männer beim Rituallauf). Narmer ist umgeben von 2 Wedelträgern,
einer Leibwache und 4 Standartenträgern (wie auf der Palette).
Die Abbildung von 2 Tieren und 1 Mann (mit Zahlzeichen darunter) läßt
auf einen Census (Volks- und Tierzählung) im eroberten Delta
schließen. Die Darstellungen auf dem Keulenkopf und der Palette
des Narmer beinhalten höchstwahrscheinlich die Eroberung Unterägyptens,
also die Reichseinigung. Es werden aber auch andere Interpretationen
diskutiert.
Prunkpalette des Narmer (Vorderseite) Der obere Teil wird bekrönt (jeweils links und
rechts) von der Himmelskuh (mit einwärts gebogenen Hörnern
- im Gegensatz zum leierförmigen Kuhgehörn der Hathor),
dazwischen ein Serech (stilisierte Palastfassade) mit dem Namen des
Königs.
Serech des Narmer Hieroglyphen: 1. Wels (NAR); 2. Meißel (MR, "mer").
Zu lesen: NAR-MER (König "Wels")
Prunkpalette des Narmer (Rückseite) Der obere Teil entspricht demjenigen der Vorderseite.
(9) STATUEN (Schreitstellung)
Alle Statuen (und fast alle Statuetten), die Götter und Menschen darstellen, zeigen diese in Schreitstellung (sofern es sich nicht um Sitzstatuen handelt), wobei immer das l i n k e Bein vorangestellt ist. Im Internet erscheinen manchmal die gleichen Abbildungen (Photos) bei verschiedenen Präsenzen in seitenverkehrter Form, sicher versehentlich und unbeabsichtigt. Beispiel: Mischwesen 1 (auch "Heka" genannt; unter "Gottheiten 2"); Quelle der Abbildung: http://www.culturekiosque.com/art/exhibiti/rhfheka.htm; s. dagegen: http://www.hieroglyphen-info.de (Götter, Heka). Da ich bisher nur Abbildungen des "Mischwesens" gemäß der zweitgenannten Internet-Präsenz zu sehen bekam (linkes Bein vorangestellt) und da die erstgenannte die einzige zu sein scheint, bei der es das rechte Bein ist, habe ich mir erlaubt, eben dieses "seitenverkehrt" (sprich: hoffentlich seitenrichtig!) abzubilden. Bei den Statuen gibt es allerdings e i n e Ausnahme: es handelt sich hierbei um eine Statue aus der 3. Dynastie, bei der das r e c h t e Bein vorangestellt ist!
Statue (3. Dynastie) (Ägyptisches Museum Kairo) Wen stellt diese Statue dar?
(10) FAYENCE-ZIEGEL (Djoser)
"Wandmosaik" des Djoser In den unterirdischen Gängen unter der Stufenpyramide des Djoser (im sog. Südgrab) befand sich dieses "Wandmosaik" aus blau-grün glasierten Kacheln (Fayence-Ziegel) mit dem Bogenmotiv, in dem 11 Djeds zu sehen sind. Die Wandverkleidung aus Fayence-Ziegeln imitiert Schilfmatten.
Bogenmotiv des "Wandmosaiks" Ist das Bogenmotiv nur eine Dekoration? Diente es irgendeinem Zweck? (s. dazu auch Robert Temple, "Die Kristallsonne", Tafel 26)
(11) NIANCHCHNUM + CHNUMHOTEP
Die Mastaba der beiden Brüder bzw. Freunde datiert aus der Zeit des Königs Niuserre (Ni-user-Re) oder seines Nachfolgers Menkauhor (5. Dynastie; etwa um 2420). Die Grabstätte wurde 1964 entdeckt. Beide führen den Titel eines "Propheten des Re" im Sonnenheiligtum des Niuserre; außerdem werden sie als "Aufseher der Nagelpflegerinnen des Pharaos" bezeichnet. Nianchchnum und Chnumhotep Die beiden Freunde schauen sich in die Augen; der rechte
umarmt seinen Freund, während der linke dessen Arm ergreift. Im Türsturz zur Vorhalle ihres Grabes befindet sich ein Relief mit ihren Namen (s. Abb.; Hieroglyphen von rechts nach links zu lesen). "Namensrelief"
Erläuterungen (Hieroglyphen): 1. Henkelkrug (CHNM [s. Anm.]; "chenem" ["ch"
wie in "ich"] = Widdergott CHNUM [der Name des Gottes steht
am Anfang]); 2. Wasserlinie (N; "en", "ni" ?);
3. Henkelkreuz (ANCH); 1.-3.: (eigentlich) NI-ANCH-CHENEM oder (gemäß
Ägyptologen) NI-ANCH-CHNUM. Man könnte auch "Chenem-en-anch"
("Chnum-en-anch") lesen. Anm.: "Chenem" (statt "Chenemu") ist die abgekürzte Schreibweise für "Chnum" Bedeutung der Namen: "Nianchchnum" = "das Leben gehört (zu) Chnum"; "Chnumhotep" = "Chnum ist zufrieden"
(12) HEB-SED
Hieroglyphen:
Der (Schakal-)Gott Sed (s. "Gottheiten 4" [39]), eng mit Upuaut von Assiut (äg. Sauti) [s. "Gottheiten 1"] verbunden, ist der Namensgeber für das "Sed-Fest" (äg. "Heb-Sed"), das zur Feier des 30-jährigen Thronjubiläums des Königs veranstaltet wird. Zur Erneuerung seiner Kräfte wird eine Statue des Königs rituell begraben, so daß er "verjüngt" seine zweite Thronbesteigung zelebrieren kann. Mit dem "Kultlauf" demonstriert der König seine "Revitalisierung" (s. "Pharaoninnen", Hatschepsut). Zum Ritual der Herrschaftserneuerung gehört auch, daß der personifizierte Imiut (s. "Kronen + Embleme": Embleme und Fetische) dem König das Machtsymbol (Zepter) überreicht. Das Sed-Fest ist seit frühdynastischer Zeit bekannt (s.o. [8] Narmer, Keulenkopf) und wird während der gesamten Pharaonenherrschaft gefeiert, manchmal sogar mehrmals von ein und demselben König (wie z.B. von Ramses II. während seiner langen Regierungszeit); dann allerdings in kürzerem Abstand. Der Grund dafür, daß (meistens erst) nach 30 Jahren Regentschaft eines Königs dessen (1.) Sed-Fest stattfindet, ist wahrscheinlich die (fast) 30-jährige Umlaufszeit des Saturn um die Sonne (n. Lurker; s. Literaturliste unter "Hieroglyphen"). Im Totentempel Mentuhoteps II. in Deir el-Bahari fand man dessen bemalte Sitzstatue, die rituell bestattet worden war. Mentuhotep II., mit der uä. roten Krone und im weißen Hebsed-Mantel, ist in schwarzer Hautfarbe dargestellt, was ihn als "Osiris" kennzeichnet (schwarz: Hinweis auf Osiris´ Unterwelt und die Wiedergeburt; s. "Gottheiten 1": Osiris + "Gottheiten 2": vergöttlichte Personen, Ahmes-Nefertari). Seine klobigen Beine lassen auf eine künstlerische Modeerscheinung oder (wahrscheinlicher) auf "Elephantiasis" (unförmige Verdickung einzelner Körperteile infolge örtlicher Lymphstauungen) schließen.
Sitzstatue (Ka-Statue) des "Osiris" Mentuhotep
II. Mentuhotep II. (mit dem Thronnamen "Neb-hepet-Re" = "Herr des Steuerruders, ein Re") gilt späteren Generationen als der Begründer des "Mittleren Reiches" (nach der sog. Ersten Zwischenzeit, in der Regionalfürsten Ägypten beherrschten). Diese "zweite" Reichseinigung findet ca. 1978 statt. Seine "Horus-Namen" (den ursprünglichen änderte er zweimal) geben Mentuhoteps Erfolgsspirale vom thebanischen Regionalfürsten zum Beherrscher Ägyptens wieder, nämlich: (1) "Se-anch-ib-taui" ("Der das Herz der Beiden Länder belebt"), (2) "Netjeri-hedjet" ("Göttlich ist die Weiße Krone") und (3) "Sema-taui" ("Vereiniger der Beiden Länder").
(13) HALBMONATSFEST
Das Jahr ("renpet") hat 12 Monate ("abed")
zu je 30 Tagen, dazu kommen noch 5 Zusatztage ("Epagomenen");
somit ist das ägyptische Jahr ca. 6 Stunden (oder 1/4 Tag) zu
kurz. Dadurch verschoben sich im Laufe der Jahrhunderte die Jahreszeiten;
erst nach 1460 (365 x 4) Jahren ("Sothis-Periode") fiel
der Aufgang des Sirius (Hundsstern; dessen Personifikation: die Göttin
Sepedet = grch. Sothis) wieder mit dem Beginn des ägyptischen
Sonnenjahres zusammen (Neujahr, d.i. der Beginn der Nilschwemme; der
19. Juli nach unserem Kalender). Im Jahre 139 n.Chr. (in der Regierungszeit des römischen
Kaisers Antoninus Pius) fiel der heliakische Aufgang [d.h. Aufgang
eines Sternes in der Morgendämmerung] des Sirius (Sothis) wieder
mit dem Beginn des ägyptischen Sonnenjahres zusammen. Eine Sothis-Periode
zurückgerechnet ergibt das Datum 1322 v.Chr., eine weitere das
Jahr 2782 v.Chr.; ob noch eine davor (4242 v.Chr.) bekannt war, ist
zweifelhaft. Außer dem "bürgerlichen" Sonnenjahr gibt es noch den Mondkalender, der sich an der wahren Länge eines Monats orientiert (etwa 29,5 Tage). Gemäß diesem Kalender, der nur religiösen Zwecken dient, berechnen die Priester die Daten für die Götter-Feste im Sonnenjahr. Die Hieroglyphe "aufgehender (zunehmender) Mond" ist die Abkürzung für "Monat". Als erster Tag eines Monats gilt der Tag des Neumonds; dieser Tag ist dem Mondgott Thot (Djehuti) geweiht. Am Tag des Vollmonds (also am 15. Tag eines "Mond-Monats") wird das "Fest des Halbmonats" gefeiert.
Hieroglyphen: 1. Stern mit halbem zunehmenden Mond (Ideogramm);
2. Wasserlinie (N); 3. Brotlaib (T); 4. Alabasterbecken (Det. für
"Fest"). Zu lesen: ?-net. Mehrere Herrscher der 18. Dynastie fühlen sich augenscheinlich dem Mondgott Jah bzw. Thot (Djehuti) verbunden (s. "Gottheiten 3": [26] Jah + "Gottheiten 2": Thot), wie Ahmose (Jah-mes) und die Thutmosiden (Djehuti-mes). Ahmose (Ahmes, Jah-mes = "der Mond ist geboren") läßt zu Ehren seiner Großmutter Tetischeri eine Stele für sie anfertigen. Aus dem Grab seiner Mutter Ahhotep (Jah-hetep = "Jah ist zufrieden") stammen mehrere schöne Schmuckstücke (z.B. Armreif und Armbänder, Prunkaxt des Ahmose) mit den Kartuschen ihres Sohnes. Seine Frau Ahmes-Nefertari (Jahmes-Neferet-iri) und deren Sohn Amenhotep I. (Amenophis I.) werden später vergöttlicht und von den Handwerkern der Siedlung Deir el-Medineh als Schutzpatrone verehrt (s. "Gottheiten 2": vergöttlichte Personen).
Stele der Tetischeri
Armreif der Ahhotep Ahmose (mit dem Thronnamen "Neb-peh[e]ti-Re" = "Herr der Kraft, ein Re") gründet die 18. Dynastie und vertreibt die Hyksos endgültig aus Ägypten (Auaris). Bei seinem Nubienfeldzug erweitert er die dort bestehenden ägyptischen Festungen. Zur Sicherung des eroberten Gebietes und der Goldminen installiert Ahmose das Amt eines "Vizekönigs von Kusch" ("Königssohns von Kusch"); der Amtsinhaber wird dem Pharao direkt unterstellt. Ahmoses Vizekönige von Kusch (Nubien) sind: 1. Ahmose-Satait, 2. Turi.
(14) SARG DES SEPA
General Sepa (Sepi; Zeitgenosse Amenemhats II., 12.
Dyn.), Oberbefehlshaber des Heeres des 15. oä. "Hasengaues",
ließ 2 Särge für sein Grab in Deir el-Berscheh, der
Nekropole von Chemenu (Hermopolis), anfertigen: einen rechteckigen
äußeren Holzsarg (s. "Ka, Ba + Ach": Totentexte,
[2] Sargtexte) und einen mumienförmigen inneren Sarg (Sarkophag),
ebenfalls aus Holz. Der Kopf dieses inneren Sarges ist mit dem Königskopftuch
und dem göttlichen Bart (abgebrochen) versehen: damit wird ausgedrückt,
daß Sepa - wie der König - des ewigen Lebens teilhaftig
werden möchte. Sarg des Sepa: Abbildung des Schöpfers ...Innerhalb von schwarzen, weißen und roten kreisförmigen
Linien ist der Schöpfer dargestellt - und schaut den Betrachter
direkt an! Schwarz, weiß und rot sind die Farben für irdische
Macht, Reinheit und Gefahr. Er hält das Was-Zepter (Symbol der
Macht) und das Anch-Zeichen (Symbol des Lebens) in den Händen
und sitzt auf einem Thron, der mit den Hieroglyphen-Zeichen "Jahrmillionen"
beschriftet ist, d.h. er ist der "Herr der Zeit". Seine
ungewöhnliche Krone, aus der Schlangen ragen anstatt Hörner,
ähnelt der Atef-Krone des Osiris.
(15) SKORPIONSTEIN
Skorpionstein (Ägypt. Museum Kairo)
Dieser bearbeitete Kalkstein mit dem Skorpion-Relief
wird der 18. Dynastie zugeschrieben. Es handelt sich bei dem Skorpionstein vermutlich um eine Art magisches Objekt, da im Text die Göttin Isis genannt und auf dem Stein der Skorpion, das Attribut der Göttin Serket, dargestellt wird. Isis kann auch in der Gestalt der Serket erscheinen (s. E. Hornung: "Der Eine und die Vielen"). Beide Göttinnen werden ab dem NR als zauberreiche Gottheiten verehrt. Der Text unterhalb des Skorpions beginnt mit einer Opferformel
und stellt wohl eine Schutzanrufung dar. Er lautet: "Ein Opfer,
das der König gibt, der großen Isis, der Mutter Gottes
- möge sie Leben geben, Heil und Gesundheit, Tüchtigkeit,
Lob und Liebe. Ihr Kopf ist in ihrem Gefolge an jedem Ort, an dem
sie ist. Für den Ka des Djehuti und seiner Frau Irit, einer Amme."
(16) STREITWAGEN
Hieroglyphen: 1. Schwalbe (WR, "wer"); 2.
Mund (R; Konsonanten-Wiederholung zu 1); 3. Mund (R); 4.+5. zweimal
Schilfblatt (langes I; Y); 6. Brotlaib (T); 1.-6.: WRRIT ("wer-rit");
7. Streitwagen (Ideogramm oder Determinativ). Die westsemitischen Hyksos ("Herrscher der Fremdländer",
äg. "Heka-Chasut", verballhornt zu "Hyksos")
läuteten mit der Eroberung Ägyptens die "Zweite Zwischenzeit"
ein und etablierten die 15. + 16. Dynastie der sog. "Großen
und Kleinen Hyksos". Von ihnen wurde Pferd und Wagen in Ägypten
eingeführt. Seither gab es im ägyptischen Heer eine Streitwagentruppe,
die der Pharao als Elitetruppe in den Kampf führte.
Ramses II. im Streitwagen (mit rennendem Wagenkämpfer
Obige Abbildung ist eine von Rosellini angefertigte Umzeichnung von einem Relief aus dem großen Tempel von Abu Simbel. Ramses II. d.Gr. (1279-1213) hat während seiner 66jährigen Regierungszeit bekanntlich eine rege Bautätigkeit entwickelt (u.a. eben diesen Felsentempel zu Ehren seiner Lieblingsgemahlin Nefertari). Niccolò Ippolito Rosellini (1800-1843) aus Pisa
lernte den frz. Hieroglyphen-Entzifferer ("Stein von Rosette")
und Begründer der Ägyptologie J.F. Champollion (1790-1832)
bei dessen Besichtigungen der ägyptischen Sammlungen Italiens
kennen. Beide führten gemeinsam die franko-toskanische Ägypten-Expedition
(1828-1829) durch, bei der Rosellini mehr als 1000 (Um-)Zeichnungen
erstellte.
(17) SYMMETRIE Bei der Betrachtung einer Stele, Scheintür
oder Sargdekoration hat man das Gefühl einer vollkommenen Symmetrie.
Das scheint aber nur auf den ersten Blick so zu sein, denn auf den
zweiten Blick erkennt man eine raffinierte und wohlüberlegte
Abweichung davon. In der wissenschaftlichen Literatur wurden Abweichungen
von der Symmetrie dahingehend erklärt, daß es sich dabei
um einen "Fehler" oder um "Nachlässigkeit"
des ägyptischen Schreibers (Künstlers) handele. Erst Alfred
Hermann wies seit 1940 darauf hin, daß hier eine beabsichtigte
"Vermeidung mechanischer Wiederholung" vorliegt. "Zierinschrift" Amenemhats
III. (Zeichnung A. Brodbeck In der ägyptischen Kunst gab es
eine mechanische, starre Symmetrie anscheinend nur außerhalb
ihrer Blütezeiten, nämlich in Perioden des Niedergangs und
des Verfalls.
(18) NAME Der Name (s. "Ka, Ba und Ach",
Wesensbestandteile des Menschen) erscheint als eine selbständige
Wesenheit des Menschen; er kann stellvertretend für die ganze
Person stehen. Genau so verhält es sich mit dem Königsnamen:
er vertritt die Darstellung des Pharaos auf seinen Denkmälern.
Statt seines Bildes kann auch allein der Name des Pharaos verehrt
werden.
Thutmosis´ Thronname erschlägt
Feinde (Zeichnung A. Brodbeck
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